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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Jetzt nun, da die Französische Kunst, in Folge des eingedrungenen Romantismus, die richtigeZeichnung wiedergewonnen hat, durch Ingres, und die gute Farbe durch Eugene Delacroix:welche Richtung wird die Französische Kunst nun hinsichtlich des inneren Grundes nehmen,nachdem sie sich mit der äufseren Form bereichert hat? Das ist eine Frage, deren Beantwor-tung noch unmöglich ist. Wann wird der Mann kommen, der Gedanken und Zeichnung inEinklang bringt? Noch verkündet ihn kein Anzeichen: denn wir können nicht glauben, dafsScheffer oder Delaroche dazu berufen seien, diese umfassende und herrliche Sendung zu erfül-len; Scheffer, der Meister der eklektischen Kunst; Delaroche das Haupt der Systemverschmelzer(fnsionnuires) ; übrigens zwei grofse und hohe Talente, denen man aber den Vorwurf machenkann, einer gemischten Kunst das Dasein gegeben zu haben, die von dem Einen die Zeich-nung, von dem Andern die Farbe, und vom Dritten den Gedanken annimmt.
Während alles dieses in Frankreich vorging, durch die sogenannte romantische Schule oderdie Kunstschule für die Kunst (l'ecole de l'art pour l'artj, übten die Französischen Künstler(sowohl diejenigen, welche die Gesetzlosigkeit herbeiführten, als diejenigen, welche, ein jederin seiner Richtung, alle diese verschiedenen Elemente zu vereinigen suchten, Delacroix undIngres) einen mächtigen Einflufs auf mehrere Belgische Maler aus, welche, anfänglich unbe-stimmt, bald aber entschiedener, das Bedürfnis und die Sehnsucht nach Wiederherstellung ei-ner volksthümlichen Kunst fühlten. Bis dahin hatte, wie wir oben gesehen, in der BelgischenKunst die gröste Verschiedenheit und Abweichung von einander geherrscht. Einige strebtenausschliefslich, Andere nur zum Theil David nach; noch Andere schlofsen sich dieser oderjener Italienischen Schule an; noch Andere endlich hielten fest an den Überlieferungen unsererSchule des 17ten Jahrhunderts, soweit ihr besonderes und cigenthümliches Talent sie zum Ver-ständnisse derselben befähigte.
Mittlerweile wurden im Jahre 1830 die Brüsseler Ausstcllungssäle eröffnet.
Nie vielleicht hatte die Hauptstadt eine so glänzende und reiche Ausstellung gesehen.
Vor allem aber zog ein Gemälde unwiderstehlich die Aufmerksamkeit auf sich. Die Mengedrängte sich eifrig zu diesem Bilde, als fühlte sie wohl, dafs es der Vorläufer der neuenKunst sei, welche man in Belgien schon so lange erwartete, und immer noch in Frankreichsuchte. Man mufs sich darüber nicht täuschen; dieses Bild zog nicht blofs deshalb alle Blickealso auf sich, weil es eine Heldenthat aus unserer Geschichte des löten Jahrhunderts darstellte:das Publicum wurde nicht minder durch die unerwartete Erscheinung dieses Werkes angezo-gen, weil es in einer ganz andern Art und nach einem ganz andern Systeme aufgefafst war,als man bis dahin zu sehen gewohnt war. Man bewunderte die Übereinstimmung und Kraftder Farbe, die tiefe und dichterische Auffassung, das Edle in den Gestalten, und den Ausdruckder Köpfe und der Stellungen, die, ohne irgend an das Theatralische zu streifen, durchausdramatisch waren; man bewunderte den hohen und zugleich strengen Styl, den der Maler,ohne die Wirklichkeit zu verlassen und aus seinen Menschen mehr als Menschen zu machen,bewahrt hatte; man bewunderte die verständige Anordnung und belebte Vertheilung der Grup-pen; man bewunderte endlich dieses ganze zugleich mit Begeisterung und Mäfsigung vollendeteGemälde.
Dieses Bild stellte dar: die aufopfernde Hingebung Van der Werffs, Bürgermeisters von Ley-den, im Jahre 1576. Der Urheber dieser Darstellung nannte sich Wappers.
Dieses Werk, mit welchem für die Geschichte unsrer neuern Malerkunst in der That eineneue Zeitrechnung beginnt, gab die Losung zu einer künstlerischen Umwälzung in Belgien,