Druckschrift 
3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
Entstehung
Seite
403
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

403

ERGÄNZUNGEN.

JACOBI. Landschaftsmaler.

LESSING. Ezzelino von Verona im Gefängnisse; eine schöne Composi-tion, von grofser Einfachheit; es ist eine Bestellung des Städelschen Insti-tutes in Frankfurt. Zum Theil nur noch in Grau angelegt, ist es im Gan-zen doch schon so weit vorgerückt, dafs an seinem Gelingen nicht mehrzu zweifeln ist. Die Figur des Ezzelino selbst gefällt mir nicht so, wiedie beiden Mönche. Jene scheint mir einen etwas herkömmlichen Cha-rakter zu haben, wogegen diese naturtreu aufgefafst und richtig empfun-den sind*.

"Weniger hat mich der Carton zu einem Kampfe aus den Ritterzeiten be-friedigt, welchen Plüddemann im Schlofse Heitorf fresco malen soll. Ichliebe überhaupt in der Malerei keine Kämpfe und Gefechte. Mir erschei-nen diese Bilder eins wie das andere. Fast hätte ich an diesem Cartonnichts auszusetzen, aufser dafs die Kriegergestalt, welche man im Vor-grunde mit ausgespreizten Beinen und von hinten sieht, mir ganz und garmissfällt.

Als ich Lefsing in seiner Werkstatt besuchte, arbeitete er eben an einemÖlbilde, denselben Gegenstand im Kleinen darstellend. Auch dieses schonsehr weit vorgerückte Gemälde hat keinen günstigen Eindruck auf mich ge-macht. Aber wie beglückt fühlte ich mich dagegen beim Anblicke seinerZeichnung vom Einzüge der Kreuzritter in Jerusalem! . . . Diese Compo-sition soll in einem grofsen Ölgemälde ausgeführt werden. Ich wünschedie Beendigung dieses Werkes noch zu erleben. Dieses Bild wird denvon ihm aufgegebenen »Hufs vor der Kirchenversammlung« ersetzen. Ichbedauere sehr diese Willensänderung *'*; denn wenn es von mir abhinge,so würde er diese schönste von allen seinen Compositionen im Grofsen

* Ich habe dieses Gemälde im Jahre 1839 in Berlin fertig gesehen.

** Nach langem Schwanken hat er sich nun wiederum für Hufs entschieden, und manschreibt mir aus Düsseldorf, dafs er bereits die Studien zu diesem grofsen Werke vorbereitet,Welches für denselben Raum bestimmt ist, welchen Kaulbachs Hunnenschlacht ziert. Ichschreibe dieses am 18len April 1840.

51*