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DEUTSCHE KUNST.
der Brust heraufgezogen. Das Fufsgestell, daran der Genius der Dicht-kunst und eine Victoria, aufserdem Musen, die des Dichters Namen überdie Sterne tragen, und Greifen, die die Lyra halten, abgebildet sind, istvon ausnehmend schönen Verhältnissen, und dient ganz besonders dazu,den Werth der Statue deutlicher hervorzuheben.
In der Abtheilung der Bildnisse sei nun auch noch, wenigstens im All-gemeinen, jener Reliefs gedacht, die Thorwaldsen für Grabmäler gefertigt,und in denen meist der Verstorbene in Verbindung mit einem Genius undden klagenden Hinterbliebenen, und zwar überall in antiker Weise darge-stellt ist. So schön die Vorstellung vom Genius mit der gesenkten Fackel,so anziehend jede Äufserlichkeit Griechischer und Römischer Sculptur ist, sogewiss ist auch, dafs das Recht der Religion sich nirgend dringender gel-tend macht, als im Angesicht des Todes, und dafs mit einer noch so schö-nen Vorstellung, die nicht mehr im Bewustsein der Menschheit lebt, einemwahren Gefühle kein Genüge geschieht. Ja Empfindungen selbst, je tiefersie im Herzen liegen, vertragen eine unmittelbare Ab Schilderung, sei es inWorten oder Farben, in Marmor oder Erz, nicht, wohl aber eine (symboli-sche) Andeutung, bei der sie unausgesprochen bleiben, um so gewisser, alsgerade darin die Stärke der Kunst ruht. Hier darf man wohl an den uner-schöpflichen Reichthum an Stoff zu bildlichen Darstellungen erinnern, denunsre Religion uns bietet, und der grofsentheils unbenutzt gelafsen ist. Lie-ber hält man an den Vorstellungen von Genien und Musen oder der Neme-sis fest, die die Thaten des Verstorbenen aufzeichnet, statt nach den Sym-bolen der Heilung irdischer Wunden, der Veredlung des gemeinen Stoffes,kurz der Unsterblichkeit, statt nach der Bezeichnung der wahren Quellenalles Todes und alles Lebens zu greifen, wie sie, wenn auch in roherForm, selbst in den alten Christlichen Sarkophagen schon vorhanden ist.
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