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DEUTSCHE KUNST.
Das Lauschende und Entschlofsene der Haltung kann nicht bestimmterausgedrückt werden; die gröste Klarheit und zugleich die gröste Schönheitliegt in der Bewegung dieser Figur, und eine mit der Bedeutung derselbennicht organisch verbundene Absicht tritt an keiner Stelle in keiner Liniehervor. Gegen den Vorwurf, dafs man sich zum Verständnis der Figureine zweite hinzudenken mufs, kann sich der Künstler mit Berufung aufden Apoll von Belvedere und andere Antiken schützen. — Das erste Exem-plar des Mercur erhielt 1819 der Herzog von Augustenburg; ein zweites1822 der Englische Banquier Alexander Baring; ein drittes 1829 der Pol-nische Graf Potocki, (vielleicht dasjenige, das wegen eines zu spät sicht-bar gewordenen Fleckens im Marmor ohne Flügelhut ausgeführt wurde.)
Aus der Zeit des Hirtenknaben stammt der Ganymed mit dem Adler,eine der reizendsten Gruppen voll Wahrheit und natürlicher Anmuth. Derschöne Phrygische Jüngling kniet vor dem mächtigen Träger der Donner-keile und hält ihm mit der Linken die gefüllte Patera vor, während dieRechte mit der Amphora sich zum Boden gesenkt. — Das erste Exemplarin Marmor erhielt Lord Gower. Besonderes Interesse gewinnt diese Gruppevielleicht noch dadurch, dafs sie Cornelius mit wenigen Abänderungen inseine Darstellung des Olymps in der Münchner Glyptothek aufgenommen,und dadurch, da bekanntlich Mangel an Phantasie ihn dazu nicht verleitenkonnte, ein Zeugnis abgelegt, wie verwandt er sich in seiner Auffafsungder Griechischen Welt seinem grofsen Vorgänger und Zeitgenofsen fühlt.
Keiner der Olympischen Götter ist von Thorwaldsen so oft dargestelltworden, als Amor, mit dem er, wie schon bemerkt, auch seine Künstler-laufbahn in Kopenhagen begonnen. Ein Amor als Bezwinger physischerStärke (die dem Hercules geraubte Löwenhaut hängt über einen Baum-stamm) und als Peiniger der Seele (er hält einen Schmetterling in derRechten, und greift mit der Linken nach einem Pfeil, ihn damit zu ver-wunden) soll nach Kurland gekommen sein. — Den triumphierenden Amor,mit der Lyra des Apoll und gleichfalls der Löwenhaut des Hercules, nahm