Druckschrift 
3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
Entstehung
Seite
271
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

271

DEUTSCHE KUNST.

von seiner Kindheit an die Welt mit allen Schätzen offen da, ja sie trugsie ihm entgegen, und nur wenig Beschwerden und Gefahren bezeichnenseinen Weg. Denn trotz seiner Jugend hat es ihm noch in Kopenhagennie an aufmunternden Arbeiten gefehlt, und der Umstand, dafs er bei sei-ner Abreise nach Rom seiner Mutter ein Kästchen mit Goldstücken als Ge-schenk zurückliefs, zeigt, dafs jene ihm auch belohnt wurden.

Im Jahre 1796 am 20. Mai trat Thorwaldsen seine Reise nach Roman, und zwar, wegen Unpäfslichkeit die Landreise scheuend, zur See,auf der Königlichen Fregatte Thetis, kam aber erst (und hier erscheinenseine Glückssterne verdunkelt), ein zweiter Odysseus, nach neunmonatlan-gen Irrfahrten, Belagerungen und Quarantainen, und nachdem er endlichzu Malta die Fregatte verlafsen hatte, und nach Palermo in einem offenenBoote, und nach Neapel mit dem Paquetschiffe gegangen war, am 8. März1797 in Rom an.

Mit den reichen Kunstschätzen und dem schönen Volksleben dieser Stadtvereinigten sich viele Umstände, um seinen Fälligkeiten Richtung und Wachs-thum zu geben. Die Kopenhagener Akademie gewährte ihm fortwährendund weit über die Vorausbestimmung die Pension, so dafs er sorgenfreider Kunst leben konnte; an seinem Landsmann, dem berühmten Archäolo-gen Zoega, hatte er einen strengen Richter und einen unabwendbaren Weg-weiser ins Alterthum, so wie an Carstens ein Vorbild und einen warmenFreund. Thorwaldsen spricht es oft mit der ihm eignen Bescheidenheitaus, dafs er Alles, was er sei, nur Carstens verdanke, und dafs dieserihm den rechten Weg in der Kunst gezeigt, den er ohne ihn schwerlichgefunden haben würde. Wir, die wir unbefangener, als er, seine Gabenwürdigen dürfen, wifsen, dafs diefs nicht uneingeschränkt gilt; allein wirerkennen auch, wie viel Werth er in der That auf sein Vorbild gelegt,da seine frühesten Arbeiten in Rom, sowohl in Betreff der Wahl des Ge-genstandes, als der Ausführung desselben, namentlich seine Helden- undGöttergestalten, wie lason, Mars etc., auf das Bestimmteste an Carstens