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DEUTSCHE KUNST.
sich ihrer als Mittel der Darstellung bediente. So fing er auch nicht ehereine Composition zu zeichnen an, als bis sie ihm ganz deutlich vor derSeele stand, und keine Figur entwarf er, ohne schon im Voraus über alleeinzelnen sich genaueste Rechenschaft gegeben zu haben *. So bekamenseine Bilder das Gepräge der Unmittelbarkeit, sie waren organische Gebildevoll Lebenswärme und Wahrheit, und auch nicht nur dieses, sondern aus-getragene Kinder seines Geistes, völlig reif, keines Zusatzes bedürftig,noch fähig. Eine solche Weise, gewissermaafsen im Kopfe und vor allemAnfang zu vollenden, muste freilich in einer Zeit, wo ohne weitläufigenund kostspieligen Componierapparat Keiner ein Bild zu fertigen wüste, ziem-lich seltsam, ja unglaublich erscheinen, und wir begreifen die Verwunde-rung jenes berühmten, aus Rom zurückkehrenden »Deutschen Componie-rers«, in Florenz (von dem Fernow a. a. O. erzählt), der davon nichts
wifsen noch glauben wollte,
und vor dessen Augen Carstens ohne alle
äufsere Beihülfe, als die von Röthel und Papier, die Schlacht der Lapithenund Centauern entwarf, jenes an Gruppen und Gestalten so reiche unddurchgebildete Blatt, das jetzt eine der Hauptzierden des WeimarschenMuseums, und auf dem keine Figur (selbst die Pferdekörper nicht ausge-nommen) ist, die nicht nach dem Leben geformt erscheint. »Das ist frei-lich nicht Jedermanns Sache« meinte Jener, als er nicht mehr widerspre-chen konnte; und er hätte nur dazufügen sollen: »Die Kunst eben auchnicht!«
Mängel. Carstens hat seine Kunstbildung spät begonnen, und so konnteer sich, zumal bei seiner Abgeschlofsenheit gegen andere Künstler undgegen Anstalten, manche Mittel der Darstellung nur langsam erwerben.Kenntnis der Perspective fehlt ihm bei seinen früheren Arbeiten; auch dasNackte ist, selbst in den besten Werken, nicht ganz fehlerfrei**; seine
* Zu gröfsern Darstellungen zeichnete er sich einzelne Figuren und Gruppen auf besondereBlätter, ehe er sie in das Bild übertrug, aber auf die gleiche Weise, aus der Phantasie.
** Selbst iu den Verhältnissen, wie aus der Figur der Nemesis z. B. in unserem Kupfer-blau ersichtlich, deren Untertheil viel zu klein gegen den obern ist.
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