Druckschrift 
3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
Entstehung
Seite
250
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

250

ROM.

der ohnehin bequemeren, der gröste Theil der Künstler sich bewegte. Sowie Mengs durch einseitige Auffafsung der Antike der Kunst aufzuhelfenbemüht gewesen, so glaubte man dort in getreuer und tadelloser Nachbil-dung einzelner Theile des Bildes nach der Wirklichkeit das Heil finden zumüfsen *. Was den Inhalt betraf, so waren viele Künstler der Meinung,dafs dieser sehr gleichgültig, das Malen hingegen die eigentliche Haupt-sache sei. Von der Erfindung hatte man keinen rechten Begriff; die Com-position hielt man für ein nothwendiges Übel, dem man sich unterwerfenmüfse, weil man ohne sie doch kein historisches Bild malen könne, undmit Hülfe eines kostbaren Apparates von Wachs-, Glieder- und Thonpup-pen, Woll- und Seidenzeugen, Beleuchtungskasten und dergl. suchte mansich die Sache leicht oder überhaupt möglich zu machen, wobei man sichdenn mit der Übereinstimmung mit der Natur gar viel wüste. So kam manauch wohl zufällig einmal zu einer schönen Gruppe, für die man nach-träglich eine Bedeutung fand; und es entstanden Bilder, bei denen man,wenn man wollte, etwas denken, auch etwas empfinden konnte, die aberselbst weder gedacht, noch empfunden waren; in denen einzelne Theile gut,ja bewundernswürdig, namentlich Nebensachen bis zur Täuschung natur-ähnlich gemalt waren, Gewänder in den glänzendsten Farben prangten, ohnejedoch etwas anders zu sein, als über den Gliedermann gelegte Stoffe,ohne Motiv und Schönheit, so dafs bei allem Aufwände von technischerKunst und mechanischen Fertigkeiten doch nur Werke ohne innere Wahr-heit, Bedeutung und Geist entstanden.

Dafs die Kunst eine Sprache sei, in der man von allem Grofsen und Schö-nen in der Geschichte, in der man von göttlichen Dingen, von Gott, ja zuGott selbst reden könne; dafs man deshalb Gedanken, Empfindungen, An-schauungen in sich haben, und sodann sich einer Ausdrucksweise bedienenmüfse, die ihnen gemäfs wäre, die sich zu ihnen genau verhalte, wie dasWort, dessen Stärke in der Wahrheit liege; dafs alles, was zum Geiste reden

* Vergl. Fernow: Leben Carstens, S. 140.