1.82
BERLIN.
EIS JUNGES MÄDCHEN AUF EINEM HIRSCH REITEND.
Geschnitten von Breviere in Paris.
Rauchs erhobenen Bildwerke sind bewundernswürdig. Alle, welche Ge-genstände der neuern Zeit darstellen, sind durchaus frei von Nachahmungder Antike; es sind Lebensbilder, stets richtig aufgefafst, oft erhaben aus-gedrückt.
Seine Danaide ist für mich nicht das anziehendeste seiner Werke; viel-leicht deshalb, weil der Gegenstand antik ist? . . . Die Erfindung, die Stel-lung, vornämlich aber der Ausdruck des Kopfs scheinen mir der hohen Mei-nung und der Bewunderung, welche mir Rauchs Talent überhaupt einflöfst,nicht zu entsprechen; mir erscheint der Gedanke des Meisters mit der Na-tur des Gegenstandes nicht im Einklänge. Ich gebe hier blofs Rechen-schaft von dem Eindrucke, den das Werk auf mich gemacht hat: aber viel-leicht doppelt unrecht ... es zu denken und zu sagen. Auch wird in derThat meiner Ansicht durch das Urtheil vieler einsichtsvoller Männer vonGeschmack widersprochen "*.
* Ein Freund von Rauch, der zugleich auch der meinige, und ein berühmter Künstler ist,hat mir entgegnet, Rauchs Richtung scheine ihm vorzüglich die zu sein, den Geist der anti-ken Kirnst, ihren Ernst, ihre Wahrheit und Schönheit auf moderne Gegenstände (denn nursolche werden ihm gröstentheils aufgetragen) anzuwenden.