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VENEDIG.
von bewundernswürdiger Lebendigkeit und Färbung, obgleich ersteres nurals flüchtige Untermalung zu betrachten war. Sehr ansprechend fand ichauch eine grofse Composition, vorstellend einen Auftritt aus dem Griechi-schen Befreiungskriege: viele Figuren, reiche Costüme, grimmige Männerge-sichter reizende Frauen. Gegenstand und Behandlung machen dieses Bildzu einer romantischen Hervorbringung, welche an den herrschenden Ge-schmack und an die zwar matt gewordene, aber doch noch herrschendeMeinung gerichtet ist.
Sein verzweifelnder Kain, mit Weib und Kind, hat mich weniger erfreut,obgleich der Kopf des Kain vortrefflich gemalt ist. In dieser Arbeit scheintmir Liparini mit Luca Giordano verwandt.
Seine Bilder sind sehr impastiert, und es liegt in der Behandlungsweiseetwas so das Nachdunkeln befürchten läfst. Ich weifs nicht, ob diese Be-sorgnis gegründet ist: aber in Venedig, wo man so viele schwarz gewor-dene Gemälde sieht, ist man solcher Befürchtung zugänglicher, als an-derswo. Übrigens ist es vielleicht eben die Ähnlichkeit, die ich zwischenLiparini's Kain und einigen Gemälden Luca Giordano's zu entdecken glaubte,was diesen Gedanken in mir erregte.
Noch ist mir ein Bild Liparini's sehr gerühmt worden, welches vorstellt:Marino Faliero, wie er zum Tode geführt wird.
Jedenfalls ist dieser Künstler eine liebenswürdige Erscheinung, die dasGemüth erfreuet. Er nimmt in seinem Vaterlande unter den jetzt leben-den Künstlern eine nicht unbedeutende Stelle ein.
Adeodato Malatesti, von Modena, scheint mir auch nicht über 30 Jahrealt zu sein. Ich fand bei diesem Künstler, was ich bis dahin vergebensin Venedig gesucht hatte, nämlich, eine glückliche Annäherung an das, wasdie beste Vorzeit im Vaterlande darbietet: an das warme Venezianische Co-lorit an Tizian Giorgione, Palma, Bonifazio. Auch liebt er die Natur,studiert sie mit Hingebung, giebt sie mit bescheidenem Sinne wieder.Aus diesen beiden ergiebigen Quellen kann der Künstler hier, wenn er