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ROM.
IV.MALEREI.
Wie schon in früheren Zeiten die Malerei um so viel später sich ent-wickelte, dafs ihr Aufleben fast schon mit dem Sinken der Sculptur zu-sammenfiel, so steht sie auch gegenwärtig in dem oben erwähnten Kampfeder verschiedenen Kunstbestrebungen mit ihren Erfolgen weit hinter derSculptur zurück, und gebietet gerade auf der Seite der Erneuung über dieweniger bedeutenden Kräfte. Die sogenannten Barokken, zum Theil grofseTalente, sind im Besitze des Ansehens und der gröfseren Aufträge; denPuristen überläfst man ihr Atelier und gute Vorsätze.
Unter denen, die am entschiedensten jeder Neuerung abhold sind, stehtCamuccini oben an. Italien ist seiner Werke voll, und seine Werkstatt,in der via de' Greci, eine Reihenfolge von Zimmern, geschmückt mit denerlesensten Antiken, erfüllt mit angefangenen oder vollendeten Werken, mitCartons und Kupferstichen, mit Studien nach älteren Meistern und nachder Natur, gleicht einem grofsen Museum. Camuccini ist ein grofses Ta-lent und überaus klar in der Erkenntnis der Kunst. Man kann nicht rich-tiger und freier die grofsen Werke des Alterthums beurtheilen, als er, nichtfeiner die Verschiedenheit eines Meisters bezeichnen; Rafael und Michel-angelo liegen vor ihm wie ein aufgeschlagenes Buch, er liest es, wieein Andrer die zehn Gebote; sein Umgang ist der angenehmste und lehr-reichste: und seine Werke — lafsen kalt? Nein, das nicht, denn es ist Vie-les darin, das bewundert zu werden verdient; aber sie bleiben hinter seinerEinsicht zurück. Selten tritt der Unterschied zwischen productivem undreproductivem Talent so deutlich hervor, als hier. Camuccini hat von früh-ster Jugend an, seines Oheims Mittheilung der notdürftigsten malerischenHandgriffe ausgenommen, keine anderen Lehrer gehabt, als Rafael und Mi-chelangelo. Schon als fünfzehnjähriger Knabe studierte er ohne Unterlafs