631
WIEN.
VII.
KUPFERSTECHER.
Die Kupferstecherkunst hatte im Vergleich mit den übrigen Kunstzwei-gen bis nach der Hälfte des vorigen Jahrhunderts nur wenig merkbareFortschritte gemacht. Ausgenommen die drei historischen Blätter, welchedie alten Gebrüder Adam und Andreas Schmutzer, nach den in der fürstlichLichtensteinischen Galerie befindlichen Gemälden des P. Rubens, herausga-ben, waren bis zu den 1770ger Jahren keine Kupferstiche geliefert wor-den, die sowohl in Rücksicht der Wahl des Gegenstandes, als in Betrach-tung der Kunst selbst, von Bedeutung gewesen wären. Die Werke, diePrenner und Mendel nach den Gemälden der k. k. Galerie verfertigten,und der von Daniel Gran gemalte Plafond in der kaiserlichen Bibliothek,den Jakob Sedelmayer gestochen, hatten zwar ihre Verdienste, konntenaber in Rücksicht auf die eigentliche Kupferstecherkunst nicht als vollkom-men gelungen erscheinen. Erst nach 1770 war es Jakob Schmutzer, derdiese Kunst in Wien in Aufschwung, aber auch zugleich auf eine hoheStufe von Vollkommenheit brachte. Er war der Sohn des oberwähntenAndreas Schmutzer, und 1733 zu Wien geboren. Auf Antrag des Fürstenvon Kaunitz als k. k. Pensionär nach Paris geschickt, bildete er sich unterWille bald zu einem der berühmtesten Kupferstecher seiner Zeit, und ge-nofs seit seiner Zurückkunft im Jahre 1766 nach Wien einen solchen Ruf,dafs eine eigene selbständige Akademie für Kupferstecherkunst gegründetwurde, und er deren Directorat übernehmen muste. Beigegeben wurdenihm als Professoren: der bekannte Ätzkünstler S. E. Weirotter, und JohannJacobe für die Schabkunst.
Die vorzüglicheren Kupferstecher, die sich seither in Wien ausgebildethaben und noch leben, sind: