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PRAG.
Ich weifs nicht, in welchem Grade Rudolfs Eifer für die Künste vondem Böhmischen Volke getheilt wurde: aber man wäre fast versucht zuglauben, dafs der Sinn jener Zeit eigentlich mehr auf die Wechselfälle desKampfes gerichtet und vom Parteienhafs eingenommen war. Überdies be-gann unter Matthias, Rudolfs Nachfolger, der dreifsigjährige Krieg, welchernicht minder, als die Hufsitenkriege, ein Hindernis für die Fortschritte derKunst war, und wodurch die Sammlungen Rudolfs zerstört und zerstreutwurden, so wie Prag fortan aufhörte Königssitz zu sein.
Unter den Malern des siebenzehnten Jahrhunderts, die in Böhmen lebten,giebt es einige in Böhmen Einheimische; solche sind: KARL SKRETA,WENZEL LORENZ REINER, PETER JOHANN BRANDEL und JOHANNFERDINAND BROKOFF. In Böhmen hält man besonders viel auf den er-sten. Ich habe viele seiner Arbeiten gesehen, ohne mich mit der Rich-tung, welche er verfolgte, einverstanden erklären zu können. Seine Auf-fafsung war übrigens die zu seiner Zeit herrschende. Die besten seinerArbeiten sind, meiner Ansicht nach, mit denen des Pietro da Cortona, oderdes Carlo Maratti und des Conca zu vergleichen. Man zählt zu seinenbesten Werken eine Himmelfahrt der Maria, Lukas und Markus, und denhimmlischen Grufs.
Eine unbefangene und durch treffende Beobachtung sich auszeichnendeBenrtheilung hat mir Folgendes über Reiner und Brandel mitgetheilt:
»Reiner halte ich für einen vorzüglich bemerkenswerthen, genialen undproduetiven Künstler. Seine Fresken sind nicht frei von der damals herr-schenden Manier; aber seine Compositionen sind lebendig, reich und gutin der Farbe. — Die himmelstürmenden Titanen im Gräflich CzerninschenPalaste, die Kuppel der Kreuzherrenkirche, die Fresken in der Dominikaner-kirche und in den aufgehobenen Kirchen St. Nikolaus in der Altstadt undSt. Katherina, dürften den Beleg zu dem Gesagten darbieten.«
»Brandel gilt in Böhmen ebenfalls für einen Stern erster Gröfse. — Ichhabe nichts Ausgezeichnetes von ihm gesehen. — Was seine Virtuosität im