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MÜNCHEN.
Münchener Malerschule bilden, bleiben, so sehr sie ihren Meister Corneliusehren, nicht alle der Richtung gleich getreu, welche er durch seine Werkeandeutet. Sie erkennen nicht alle die Oberleitung der Akademie an, underfahren deren Einflufs nur in einiger Hinsicht. Es giebt sogar einige un-ter ihnen, die von feindlichen Gesinnungen gegen sie beseelt sind, undhäufig geneigt sein möchten, aus übler Laune die Grundsätze der Akade-mie gänzlich zu verläugnen, selbst indem sie dieselben befolgten, sei esaus Überzeugung, aus Hinneigung, oder aus Gewohnheit, wenn sie Zög-linge der Akademie sind oder unter Cornelius gearbeitet haben. Die Aka-demie bereitet ein neues Geschlecht von Künstlern vor, sie giebt ihnen dieMittel, in die Schranken zu treten. Die Professoren sind unter einanderund mit Cornelius einig über die Grundsätze des Unterrichts.
Ich habe schon an mehreren Stellen dieses Bandes * die Beschaffenheitder Grundsätze und der Richtung der Akademie kennen gelehrt: aber ichbefinde mich in dem Falle, nochmals in diesem Kapitel darauf zurückzu-kommen. Ihre Art des Unterrichts soll hier noch der Gegenstand einerbesonderen Prüfung sein.
Ein Bündnis der Kunstakademie, welche ihrem Wesen nach so lehrhaft,so abgeschlofsen ist, mit so unabhängigen, so vielseitigen und so eigen-thümlichen Talenten, wie Kaulbach, Folz, Schwindt, Neureuther, mit denLandschaftern, mit den Genremalern, scheint mir unmöglich: ich glaube,die Akademie sollte darauf verzichten, sie zu bekehren, und sie als dieverirrten Schaafe betrachten, welche man vergeblich wieder in den Schaaf-stall zu führen trachtet. Diese Schaafe, ihrerseits stolz auf ihre Freiheit,müsten sich auch weniger mit der Akademie beschäftigen, und ihr die-selbe Freiheit verstatten, welche sie für sich selber in Anspruch nehmen,oder vielmehr schon erlangt haben. Aber unglücklicherweise will die Frei-heitsliebe nicht immer blofs keinen Zügel dulden, sondern hat oft auchLust selber zu herrschen.
Besonders S. 148 bis 158 und S. 376 bis 379.