500
MÜNCHEN.
sagen stufenweise durch Bestellungen herangebildet. Den Herren v. Klenzeund Cornelius verdankt es Schwanthaler besonders, dafs sie sein Talent er-kannten und durch Empfehlungen zu Unterstützungen förderten.«
» Seit beiläufig 250 Jahren war nichts Erhebliches für die romantische Bild-hauerkunst geschehen.« Rauch in Berlin war der erste *, welcher, wederder Antike, noch Canova, noch Thorwaldsen nachfolgend, charakteristischund kräftig zu bilden wüste, ohne sich von der Natur zu entfernen, undohne zu den akademischen Formen und Stellungen oder dem Übereinkömm-lichen seine Zuflucht zu nehmen; er war der erste Bildhauer, bei dem dasecht Deutsche Gepräge, jenes von Peter Vischer, wieder hervortrat, nichtetwa als eine Nachahmung des letzten, sondern durch die lebendige Ver-wandtschaft, welche zwischen Rauchs Künstlergefühl und dem ruhmvollenZeitalter Dürers besteht. Die Veränderungen, welche aus dem Gedanken-gange und dem gegenwärtigen Zustande der Gesellschaft entsprungen sind,machen diese Werke höchst eigenthümlich und dem Geschmacke des Pu-blicums und der Künstler Deutschlands angemefsen.
Die Gelegenheit, sich in eben diesem Felde zu versuchen, eröffnete sichfür Schwanthaler durch die Bestellung der grofsen Standbilder von denAhnen des Königs, welche für den Festsaal bestimmt sind, und durch diekleinen Modelle zu den Standbildern der berühmtesten alten Maler, welcheden Giebel der Pinakothek krönen werden.
Unter diesen Modellen sind die beiden von Rafael und Michelangelo die-jenigen, welche ich für die schönsten halte, und denen, nebst dem BildeDürers, auch Schwanthaler selber einen gerechten Vorzug giebt. Die bei-den Holzschnitte, welche ich davon habe machen lafsen, und die man hiereingefügt sieht, sind nach den Modellen selber gezeichnet, nach welchendie beiden Standbilder sollen ausgeführt werden.
Seine ersten Werke gehen bis in das Jahr 1805 zurück.