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MÜNCHEN.
aufzufafsen, sich mit dem ursprünglichen Geist unserer heiligen Religionzu durchdringen, war eine rühmliche Aufgabe, und hat einen schönen Er-folg gehabt.
Mich dünkt, unter allen Meistern der besten Zeit ist keiner, mit demHeinrich Hefs so viel Ähnlichkeit hat, wie mit Bernardino Luini. Bei mei-nem letzten Aufenthalte zu Mailand im Jahre 1837 fiel diese Ähnlichkeitmir auf, und ich finde, dafs in keiner Beziehung Hefs dem Luini nachsteht.Dasselbe religiöse Gefühl, dieselbe Mäfsigung, dieselbe Einfachheit, dieselbeEmpfindungs- und Denkweise zeigt sich bei allen beiden; ich finde sogar,dafs sie auch hinsichts des Colorits und der Darstellung sich gleichen.
Unter den Gemälden derjenigen, die dem Heinrich Hefs bei dieser Arbeitgeholfen haben, giebt es einige, die sich vielleicht mehr der Vorstellungs-weise, welche der Gang des Zeitgeistes in uns entwickelt hat, und demherrschenden Geschmacke annähern, diesem Geschmacke, welchen ich nichtden fortschreitenden, sondern nur den in der Zeit folgenden nenne: dage-gen offenbaren die von Hefs ausgeführten Werke ein von der Zeit unddem Schwanken der Vorstellungsweisen unabhängiges Urbild. So zum Bei-spiel sind die Gemälde von Schraudolf, Moses mit den Gesetztafeln, derEngel mit der Bundeslade und die Ausgiefsung des Heiligen Geistes, ge-wiss sehr gefällig, und sagen dem Geschmacke zu: aber der Eindruck, wel-chen die Bilder von Hefs hervorbringen, ist ganz anderer Art; er ist tiefer;und vielleicht sind es die von Hefs ganz allein ausgeführten Gemälde, dieich am meisten im Einklänge finde mit der Bauart der Kapelle und mit denGedanken und Gefühlen, welche dieselbe erweckt. Christus, die Kindleinsegnend, ist das Gemälde, das ich zur Abbildung in dem Kupferstichhefterwählt habe, als eins von denjenigen, welche die deutlichste Vorstellungvon dem eigenthümlichen Anblicke geben, welchen das Innere der heiligenKapelle in ihrer Gesammtheit darbietet * Bei den Holzschnitten habe ich
* Man sehe das Kupferstichheft.