230
MÜNCHEN.
den Bleistiftzeichnungen nach alten Gemälden für den Kronprinzen vonBaiern.
XIII.
FOLZ AUS BINGEN.
Er ist etwa 36 Jahre alt *. Von allen Schülern des Cornelius ist erderjenige, der sich am weitesten von der Lehre und dem Vorbilde seinesMeisters entfernt hat. Bei seinen Arbeiten im Schlofse hat er sich rück-haltlos seinen angeborenen Neigungen hingegeben. Er hatte den Auftrag,Bilder aus Bürgers Gedichten zu malen, mit welchem so volksthümlichenDichter das Werk der Frau von Stael über Deutschland die Franzosen be-kannt gemacht hat. Die in Rede stehenden Gemälde nun sind aus der Le-nore, dem wilden Jäger, der Entführung und mehreren anderen GedichtenBürgers. Das Colorit dieses Malers hat Reiz und Lebhaftigkeit, es ist har-monisch; sein Pinsel ist breit und markig: aber seine Werke haben wenigWürde und Zierlichkeit; indessen zeugen seine Figuren von einer gewissenKraft. Er würde in seinen Gemälden einige Ähnlichkeit mit Teniers haben,wenn die Gegenstände derselben nicht geschichtlicher Art wären, und wennsie nicht in Hinsicht des Ausdrucks weniger gemein wären: aber man darfannehmen, dafs, wenn die Gegenstände seiner Gemälde freier aus demGenre gewählt wären, sie mit den Neigungen seiner Künstlernatur mehrim Einklänge stehen würden.
Folz ist mit vielem Talent begabt. Er würde, meines Erachtens, Unrechtthun, sich der Geschichtsmalerei anzunähern; aber seine Genrebilder wer-den stets etwas Besonderes haben, das Gepräge der Eigenthümlichkeittragen, und häufig einen tiefen Sinn ausdrücken. Folz kann nicht einer
Dies wurde im Jahre 1837 geschrieben.