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DIE MÜNCHENER SCHULE
gedient, und sie zu Anstrengungen vermocht, welche dieser Schule das sieunterscheidende Gepräge der Grofsheit geben. Dieses ist, wie ich glaube,das Urtheil, welches die allgemeine Meinung der Münchener Künstler, jaüberhaupt in Deutschland über Cornelius ausgesprochen hat. Wenn manjedoch die grofse Thätigkeit betrachtet, die sich in München entwickelt,und welche Verschiedenheiten und Abstufungen die bedeutendsten Malerdieser Stadt zeigen, so entdeckt man wohl, dafs es hier noch mehrereGrofsmächte in der Kunst giebt, und diese sind Schnorr und Heinrich Hefs,deren Namen gewöhnlich mit Cornelius verbunden werden, wenn von denChorführern der Geschichtsmaler die Rede ist. Unter den bedeutendstenjüngeren Künstlern wird immer Kaulbach als der erste genannt, und demBildhauer Schwanthaler wird die fruchtbarste und leichteste Gabe der Er-findung und Darstellung zugesprochen. Neureuther zeigt die glücklichsteund reichste Einbildungskraft in Arabesken, Randzeichnungen und Zieraten.Schlotthauer, Hiltensperger und Zimmermann sind in der Frescomalerei dieTrefflichsten hinsichts des Pinsels und der Färbung. Volz bewährt in sei-nen Wachsgemälden den grösten Reiz und Zauber der Farbe: seine Werkegehören ins Genre, seine Auffafsungsweise und Darstellung entfernt sichvon dem Style der Schule.
Wenn man endlich nachforscht, was der Mittelpunkt und die Seele die-ser künstlerischen und anhaltenden Bewegung ist, wenn man wifsen will,wer in Wahrheit und vor allen derjenige ist, der die Künste belebt, der ihneneinen so mächtigen Anstofs giebt, und ihnen dieses so entschiedene Geprägeder Grofsheit aufdrückt, so ist es der Name des Königs Ludwig, der sichdem Geiste und dem Gefühle der Erkenntlichkeit und der Bewunderung dar-stellt, die durch so viele erhabene Schöpfungen hervorgerufen werden.
Wir werden uns mit allen diesen Künstlern im Einzelnen beschäftigen,im vorliegenden Kapitel mufs ich jedoch ihre Namen noch mit einanderverbinden, um ein treues Gemälde der Schule in ihrer Gesammtheit zu lie-fern, und um die unterscheidenden Grundzüge derselben hervorzuheben.