Druckschrift 
2 (1840) München, Stuttgart, Nürnberg, Augsburg, Karlsruhe, Prag und Wien : mit einem Anhange: Ausflug nach Italien
Entstehung
Seite
100
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

100

MÜNCHEN.

Kennzeichen seiner Kunstliebe anknüpfen, stets in inniger Verbindung mitder Liebe für den Ruhm des Vaterlandes; in diesem Gefühle mufs man dieerste Triebfeder der unbegrenzten Thätigkeit suchen, welche er seitdementfaltet hat.

Im Jahre 1806 reiste er in Spanien. Er war in Figueras, als er vonNapoleon die Einladung empfing, sich zum Kriegsheere nach Polen zu be-geben. Er kam am Vorabende der Schlacht von Pultusk daselbst an, underhielt den Befehl einer Abtheilung Bairischer Truppen, welche den Fran-zösischen Heeren zugeschaart war.

Auf seiner Hinreise durch Berlin (er war damals noch sehr jung) ge-schah es nun, dafs er beim Anblicke des herrlichen Brandenburger Thorsmit dem Viergespann seines Siegeswagens, dessen es bald darauf durchden Sieger beraubt wurde, das Verlangen in sich entstehen fühlte, durchein Denkmal von hoher Bedeutung, von tiefem Sinn und grofsartigem Ge-präge, den einstigen Ruhm seines edlen Vaterlandes, dieses in den letztenJahren durch so grausame Unfälle heimgesuchten Deutschlandes, zu ver-ewigen. Johannes Müller, der damals sich in Berlin befand, bestärkte ihnin diesem Gedanken. »Man mufs,« sagte der Fürst, »aus den Trümmerndie Berühmtheiten des Vaterlandes hervorziehen und ihnen ein Pantheonweihen.« Der Name Walhalla wurde später angenommen. Solches ge-schah zu Ende des Jahres 1806.

Es war am 7. Januar des folgenden Jahres, als der Fürst, zur Ausfüh-rung seines Entwurfes, in eben dieser Stadt zum ersten Mal die Werk-stätte des Bildhauers Schadow besuchte, der gegenwärtig Director derBerliner Kunst-Akademie ist, um sich mit ihm über diesen Gegenstandzu besprechen. Er war bei diesem Besuche von dem Preufsischen Bau-meister Moser und dem Aufseher der Münchener Bildergalerie Dillis be-gleitet. Am folgenden Tage kam Dillis nochmals zu Schadow, und am10. desselben Monats wurde der Bildhauer zum Fürsten beschieden, ummit ihm einen Vertrag abzuschliefsen; er empfing zum Angel de hundert