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MÜNCHEN. — EINLEITUNG.
Johannis), Vorzeichen vom Ende der Tage und vom Gerichte in Palästina, welches Waltherin seinem eigenen Krcuzliede bestimmt verkündigt, und in einem andern Gedichte noch an-dere Vorzeichen dieses Tages: die Sonne verliert ihren Schein, überall herrscht Untreue, desKindes gegen den Vater, des Bruders gegen den Bruder, Gewalt siegt und Recht verschwin-det: darum soll man nicht länger liegen, sondern dorthin ziehen.
Der Kaiser hatte sich, nach Walthers Rath, unter ungünstigen Umständen, wirklich schonim Jahre 1227 zu Otranto eingeschifft, erkrankte aber, und muste umkehren; worauf sogleichder Bann über ihn ausgesprochen wurde, ungeachtet seiner Entschuldigung. Die Bannbriefcdes Papstes rügt auch Walthers grofses tiefsinniges Lied, worin er rührend klagt, dafs seinLeben wie ein Traum vergangen, und er bei der Heimkehr in sein Geburtsland alles verän-dert und die Gespielen veraltet finde, die jungen Leute überall nicht mehr fröhlich singenund tanzen wollen, die Frauen ungeschmückt und die Ritter bäurisch einhergehen: „uns sindunsanfte Briefe kommen," welcbe Trauren und Weinen bringen, dafs selbst die Vögel betrübtsind. Waltlier scliilt jedoch seinen Unmuth hierüber, und weiset von der täuschenden Freudeder Welt auf die ewige hin, ermahnt die Ritter zur leichten Bufse, die geweihten (Ritter-)Schwerter würdig zu gebrauchen, und wünscht, dafs er selber gewürdigt werde, „die liebeReise über See" zu fahren, so werde er Armer reichen Sold und selbst die ewige Krone er-werben, freudig singen und nimmer wehklagen.
5) Die stete Hinweisung auf diese Kreuzfahrt ging endlich auch für Walther selber in Er-füllung; wie das zweite Gemälde an der Fensterseite darstellt: der fromme Sänger, ritterlichgerüstet, kniet angesichts der heiligen Stadt in Gebet versunken.
So bezeugt auch sein freudig rührendes Kreuzlied, dafs nun erst sein Leben gewürdet sei,da endlich sein sündiges Auge das heilige Land schaue, wo Gott menschlich wandelte undalle seine Wunder, von der Geburt bis zur Auferstehung, geschahen, und wo er auch dasjüngste Gericht halten wird: dieses Land, welches Christen, Juden und Heiden als ihr Erbeansprechen, aber von Gottes- und Rechtswegen „uns" gehört. — Zunächst steht hier nuneben der letzte grofsc Kreuzzug, welchen Kaiser Friedrich am 1. August 1228 von Hydrantwirklich ausführte, zwar vom Papste, weil die Heeresmacht ungenügend sei, abermals imBann bestätigt, und von den meisten Wälschen verlafsen, dennoch mit Hülfe der Deutschenwieder in Jerusalem einzog, am 27. März 1229, und am folgenden Sonntag in der Kirchedes heiligen Grabes selber die Krone vom Altar nahm und sich aufsetzte, wobei die Deut-schen sangen, und der treffliche Deutschmeister Hermann von Salza eine Deutsche Redesprach, in welcher der Kaiser sich gegen den Papst entschuldigte und sich vor Gott demüthigte.Wenn Walther, wie glaublich, auch hiebei gegenwärtig war, so sah er seinen innigen Wunscherfüllt, das Oberhaupt des Deutschen Reichs und der Christlichen Welt von der Glorie um-strahlt auf der heiligsten Stätte der Erde. Der Maler hätte auch kühnlich dieses sich selberdarbietende Bild also ausführen dürfen.
Spätere geschichtliche Beziehungen finden sich nicht in Walthers Gedichten, und er scheintbald darauf, nachdem er, wie er sagt, 40 Jahre und länger gesungen, verstorben.
6) Das Mittelbild an der zweiten Wand zeigt sein auf dem Grabe ruhendes Steinbild, umherVögel, die von Chorknaben gefüttert werden. Dies Gemälde ist, in seiner einfachen Ausfüh-rung des neuen Gedankens, das lieblichste von allen. Es gründet sich auf Überlieferung.Walther starb nämlich, laut alter Zeugnisse, daheim in Würzburg, und sein Grab war imGrashofe des Neuen Münsters, genannt der Lorenzgarten, unter einem Baume, wo, seinem