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MÜNCHEN. — EINLEITUNG.
war, auch 1209 in Rom gekrönt, aber 1210 schon wieder vom Papst gebannt wurde. Waltherschalt den Papst und hielt anfangs noch fest an dem Kaiser, und scheint damals auch amHofe des Markgrafen Dietrich IV. von Meifsen vertraut, dessen Treue er rühmt, während ergegen den Landgrafen (des Markgrafen Schwiegervater) den Kaiser sogar aufruft. Dennochvcrliefs er selber endlich, wie die meisten Fürsten, den Kaiser, nachdem dieser auch seineHoffnungen getäuscht hatte, und wandte sich dem jungen, vom Papst als Mündel beschütztenHohcnstaufischen Friedrich II. zu, der im Jahre 1215 feierlich zu Achen mit der Reichskronegekrönt wurde. Er preiset nun den jungen König als den besten Mann, welcher ihm die demBösesten (König Otto) geleisteten Dienste belohne, und unter dem Maafse der Milde über je-nen, bei grofser Leibeslänge nicht mehr Wachsenden, riesengrofs emporgeschofsen sei. Erststellt er dem Könige von Rom und Apulien sehr eindringlich vor, dafs man ihn (den Dich-ter) bei reicher Kunst so arm an Gut lafse: er möchte sich auch gern an eigenem Heerd er-wärmen, und wollte dann wieder recht wie sonst von den Vöglein und der blumigen Heidesingen, und den schönen ihm holden Frauen Rosen und Lilien auf den Wangen blühen lafsen.Ein Wirth (Hausherr) könne wohl von dem grünen Klee singen; er (Walther) aber, wenner auch spät ankomme, müfsc leider schon frohe wieder weiter reiten: er bitte also den mil-den König, dieser Noth abzuhelfen, „damit auch eure Noth vergehe." — Unter der letztensind Friedrichs fortwährende Kämpfe mit dem Gegenkaiser Otto bis zum Tode desselben imJahre 1218 gemeint. — Der König, sein Herr, hatte Walthern, wie es nach einem Liede scheint,vorläufig ein Eigenthum, 30 Mark an Werth oder Ertrag, verliehen, ohne dafs das Grundstückschon bestimmt worden: deshalb erkennt Walther zwar die Gröfse der Gabe, scherzt aber,dafs er sie weder hören, noch sehen, noch greifen könne, sie weder in Barken noch Arken(Kasten) habe, wo auch die Pfaffen (Gelehrten) ihm nichts hinein disputiren könnten, wennes nicht drinnen wäre. Aber gleich im folgenden Liede jubelt Walther, dafs er sein Lehnhabe von dem cdcln milden Könige, nicht mehr (als Wanderer) den Hornung an den Zehenzu fürchten und bei kargen Herren zu bitten brauche, sondern im Winter Wärme und imSommer Kühle habe, von seinen Nachbarn nicht mehr spöttisch angesehen werde, und fortanauch nicht mehr so viel schelten wolle, weil der König nun auch seinen Sang gereinet habe.Desgleichen sagt er, mit Rückblick auf die traurige Zeit nach Friedrichs von Österreich Tode,dafs er nun erst wieder sein Haupt in voller Würde aufrichte, da das Reich und die Kroneihn (als Belehnten) an sich genommen, und er nun seinen eigenen Heerd, und Vergütung sei-nes Leides habe: jetzt möge herbeikommen, wer nach der Geige tanzen wolle, und mit ihmfröhlich sein.
Glaublich war dies Reichs-Lehn ein Grundstück in W r ürzburg, wo es sonst einen Hof zurVogehveide (d. i. Vogelhaus) gab, und wo auch Walthers Grabmal war. Franken ist wahr-scheinlich auch seine Heimat, und Walther, früher nur armer fahrender Sänger, erhielt mitdem Reichslelm erst adeligen Namen und Wappen, welches, sammt dem Ritterschwert, ihmdas Bild der Manessischen Handschrift zutheilt: nämlich, ein viereckiges Vogelbauer mit einemgrünen Vogel in rothem Felde, sowohl auf dem Helm, als im Schilde.
Die, bei der Belehnung gegenwärtige Kaiserin Constanze mit dem für Walther bestimmtenLorbeerkranz ist freie Erfindung des neuen Malers, und weder Geschichte noch Gedichtewifsen, dafs Friedrichs II. erste Gemahlin, die Aragonische Constanze (1209 bis 1223), in ir-gend einer Beziehung zu dem Deutschen Dichter gestanden; sie kam nie nach Deutschland.Ihr Sohn ist aber der unglückliche König Heinrich VII., auf welchen sich Gedichte Walthers