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DÜSSELDORF, ÜBERGANG ZUM GENRE.
Die glückliche und offene Gesichtsbildung Hildebrandts, sein wohlwol-lendes Gemüth, sein einfaches und ungezwungenes Wesen, seine liebens-würdige Heiterkeit, stimmen sehr wohl zu der Art des Talentes, welchesihm eigen ist. Gleich bei der ersten Annäherung fühlt man sich zu ihmhingezogen, und das Zeugnis derjenigen, die ihn näher kennen, macht dieAnziehung, welche der erste Eindruck erzeugt hat, noch lebhafter. Es istder Maler der Wahrheit und der Natur; es ist die Natürlichkeit in ihrerganzen Anmuth; es ist der glücklich gebildete Mensch im vollen Sinne desWortes. Nichts zeigt mehr, wie sehr er die Wahrheit liebt, als der Aus-spruch von ihm: »Viele Künstler verfallen in Übertreibung, weil sie dieWahrheit nicht erreichen können.« Und mit innigster Überzeugung hat ermir die Worte Hamlets wiederholt: »Man mufs die Bescheidenheit derNatur nicht überschreiten wollen.« Ich wiederhole diese Stelle wörtlichaus seinem Munde, ohne zu untersuchen, ob sie buchstäblich so da steht;denn es ist Hildebrandts, und nicht Schakspeare's Gedanke, auf welchenes uns hier ankömmt.
Folgende sind die vorzüglichsten Werke dieses Künstlers:
Im Jahr 1824: Lear an Cordelia's Leiche. Faust und Mephistopheles inder Felshöhle, ein Drittel Lebensgröfse; im Besitze des Herrn von Tres-kow auf Friedrichsfelde bei Berlin.
Im Jahr 1827: Romeo's Abschied von Julia, vier Fufs breit, fünf Fufshoch; Eigenthum des Prinzen Friedrich von Preufsen.
Im Jahr 1828: Chlorinde, wie sie sterbend von Tankred getauft wird, dreiFufs breit, viertehalb Fufs hoch; dem Doctor Heilbronn in Minden gehörig.
Im Jahr 1830: Judith und Holofernes, in Lebensgröfse, Nachtstück; be-sitzt Herr vom Rath zu Duysburg.
Ein Räuber, in einem Versteck lauernd, Lebensgröfse; dem Konsul Wag-ner in Berlin gehörig.
Die Warnung vor der Wassernixe, nach einem alten Kindermährchen;eigne Erfindung. Ein höchst liebliches Bildchen.