Druckschrift 
1 (1836) Düsseldorf und das Rheinland : mit einem Anhange: Ausflug nach Paris
Entstehung
Seite
172
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

172

DÜSSELDORF, GESCHICHTSMALER.

tig ausgedrückt; die Farbe ist glänzend; das Fackellicht wirft einen ro-then Schein über diesen Schauplatz des Schreckens, in dessen Mitte deralleinige Roland, von Zorn entbrannt, das Bild eines blinden Muthes undeiner unwiderstehlichen Stärke darstellt. Dieses Gemälde ist vorragendpoetisch; es vereint in gleichem Maafse die Schönheit des Styls mit derReinheit der Zeichnung. Mit der grösten Sorgfalt ist es ausgeführt bisins kleinste Einzele, ohne dafs der Gesammteindruck auf irgend eine Weisedarunter litte. Je länger man es betrachtet, je mehr würdigt man das Ver-dienst desselben. Ich meine, kein anderes von Hübners Werken kann ihnbefser als grofsen Künstler bezeichnen.

»Sein Christus, obwohl schön in Hinsicht des Styls, und edel gedacht,ist minder anziehend; dies ist einer von den Gegenständen, die eine un-auflösliche Aufgabe enthalten; wenn Nachsinnen, wenn gründliche Kennt-nisse sie lösen könnten, so wäre sie von Hübner gelöset. Ich bin weitentfernt, das Verdienst dieses Werkes zu verkennen, aber ich mufs ge-stehen, dafs es mich kalt gelafsen hat. Indessen ist wohl zu bedenken,dafs die Eindrücke, welche wir vor einem Gemälde empfinden, häufig ihreQuelle in uns selber haben; ein tiefer Gedanke wird nicht immer verstan-den , ein tiefes Gefühl wird nicht immer gewürdigt.«

Ich lafse dieses Urtheil hier stehen, als ein Denkmal des Eindruckes,welchen dieses Gemälde auf mich machte, als ich es noch unvollendet sah.Ich habe es in Berlin im Monat April des Jahres 1835 wiedergesehen, woes vollendet ausgestellt wurde, bevor es in der Kirche zu Meseritz seineBestimmung fand, und folgendes Urtheil hat nunmehr sein Anblick mir ab-gedrungen: »Dieses herrliche Gemälde kann den besten alten Werken zurSeite gesetzt werden, ohne dafs solche ihm Eintrag thäten. Es ist klas-sisch, ohne eintönig zu sein; der Styl darin ist grofs, ohne Geziertheit.In den Gestalten der Evangelisten hält der Künstler sich getreulich an denüberlieferten Vorbildern, ohne dafs indessen der Ausdruck und die Bildungdieser Gestalten der Eigenthümlichkeit ermangeln.«