Druckschrift 
1 (1836) Düsseldorf und das Rheinland : mit einem Anhange: Ausflug nach Paris
Entstehung
Seite
167
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

167

DUSSELDORF, GESCHICHTSMALER.

ist eine Darstellung von vollendeter Besonnenheit, in einem grofsartigenStyle, und von tiefgefühltem Ausdruck. Die Juden waren das Hauptbilddieser Ausstellung, wie Lessings Königspaar es im Jahr 1830 gewesen.

Bendemann hat jetzt eben einen neuen Aufschwung genommen. Sein Je-remias ist vielleicht das am meisten von Gröfse und Hoheit durchdrun-gene Kunstwerk, welches das neue Zeitalter uns darbietet. Ich mache eshier meinen Lesern durch einen Kupferstich bekannt. Man könnte von die-sem Gemälde mit Lamartine sagen, es erklingt von mächtigen vollen Kla-getönen *.

Bendemanns Talent ist weitausreichend und bewegt sich in einem ihmeigenthümlichen Kreise; auch sollte es mich wundern, wenn er Nebenbuh-ler und Neider fände. Ich habe ihm vorwerfen gehört, dafs er Michelan-gelo gleichen wolle. Aber ich weifs nicht, dafs jemals ein verständigerMann vorsätzlich darauf ausgegangen wäre, dem Dante oder dem Byronzu gleichen: eben so kindisch würde es sein, die erhabenen EingebungenMichelangelos wieder hervorbringen zu wollen; und man weifs, dafs esdem Vasari, der es versucht hat, sehr schlecht bekommen ist. Wahr ist,dafs Bendemanns natürliche Stimmung ihn zu grofsartigen Darstellungentreibt, und auf diesem Gebiete kann man dem Michelangelo wohl begegnen.Wie dem nun sei, ich zweifle sehr, dafs man in den schönsten Zeitalternder Kunst irgend einen Maler antreffen wird, der mit ein und zwanzigJahren ein Gemälde wie die Juden, und mit drei und zwanzig Jahren einGemälde wie Jeremias gemacht hat.

Diefs hier ist die Folgereihe von Bendemanns Werken:

Die Juden in der Babylonischen Gefangenschaft sind, wie gesagt, seinerstes bedeutendes Gemälde, im Halbrund, 9 Fufs lang und 5 Fufs hoch.Es ist durch folgende biblische Worte des ein hundert und sieben unddreifsigsten Psalms eingegeben: »An den Wafsern zu Babel safsen wir

* // rend des sons justes puissans et pleins.