Druckschrift 
1 (1836) Düsseldorf und das Rheinland : mit einem Anhange: Ausflug nach Paris
Entstehung
Seite
166
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

DUSSELDORF, GESCHICHTSMALER.

schiedenem Maafsstabe gemalt zu sein; so haben z. B. die Bäume nur diedreimalige Höhe des Reiters, obgleich sie mit ihm auf demselben Grundestehen.

Seine gezeichneten Landschaften sind auch voll Poesie: aber ich wün-sche nicht, dafs sie auf die Leinwand übergehen; die Zukunft hätte Recht,sich darüber zu beklagen: die Zeit eines solchen Meisters sollte nur gro-fsen Dingen gewidmet sein.

Die Berliner Kunstausstellung des Jahres 1834 hat mir diesen Eindrucknicht schwächen können: indessen mufs ich bekennen, wenn ich mich schonermüdet fühlte, die meisten Hervorbringungen derselben Art wiederzuse-hen, so entdeckte ich in Lessings Gemälden täglich einen neuen Reiz. Esmufs der verborgene Gedanke, der geheimnisvolle Gedanke sein, welcherdiese Wirkung macht; denn man kann sich sonst nicht wohl erklären, wasdie Aufmerksamkeit auf eine so unwiderstehliche Weise anzieht. Man kannsich kaum losreifsen von diesem einsamen Sonnenuntergänge, und vor al-len von dieser schneebedeckten Kapelle, vor welcher ein Mönch in einfrisches offenes Grab schaut. Welche Traurigkeit!... Es wird mir ebenso schwer und fast schmerzlich, mich von dem Menschen loszumachen.Ich werde nimmer glauben, gut genug oder vollständig genug ausgedrücktzu haben, was ich empfinde; und mich dünkt, was hier fehlt, würde ebensein nicht zu ermefsendes Talent noch befser bezeichnen, noch deutlicher er-kennen lafsen, wie edel die geistige Bildung dieses jungen Künstlers ist.

EDUARD BENDEMANN, GEBOREN ZU BERLIN IM JAHR 1811. .

In der vorletzten Berliner Kunstausstellung hat er sich durch seine Ju-den in 'der Gefangenschaft bekannt gemacht, und dieses erste Gemälde hatihm alsbald eine grofse und ebenso verdiente Berühmtheit erworben. Es