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DÜSSELDORF, DIE AKADEMIE, SCHADOW.
welches Zeitalter, welche Schule giebt es, worin die geistige Überlegenheitund das schöpferische Genie nicht ihre Herrschaft ausgeübt hätten?
Bewundernswürdig ist in dieser Akademie, wie keine der Eigenschaften,welche jeden einzelnen Künstler auszeichnen, für die übrigen verloren ist.Düsseldorf erkennt in Schadow seinen Schutzgeist; Lessing ist der Urquellder geheimnisvollen und tiefsinnigen Eingebungen, des unterscheidenden Ge-präges dieser Schule; Bendemann, der Dichter des alten Testaments, vollerKraft, Jugend und Begeisterung, hat sich auf eine bedeutende Höhe ge-stellt, und sich zum Wächter des Styls gemacht; Stilke hat die heiligeKreuzesfahne entfaltet; die Kunst Hildebrandts liefert die reinsten undwahrsten Farben, und giebt überall das Vorbild der Anmuth, vereint mitder Unbefangenheit und Natürlichkeit; endlich, während Hübners beson-nenes Urtheil die abwägende Macht ausübt, welche sich auf Geschmackund Nachdenken gründet, offenbart Sohn alles, was der Farbenzauber undder Liebreiz an unerschöpflichen Vortheilen darbieten.
Wenn man so diese Akademie in ihrer Gesammtheit betrachtet, so wirdman bald finden, dafs sie mehr als irgend eine andre Künstlergesellschaft,das Bild einer wahrhaften Malerschule darstellt; und ich verstehe unterMalerschule nicht allein, wie Sulzer sagt, eine Folge vpn Malern, welcheihre Kunst nach den Grundsätzen und Lehren eines und desselben Meisterserlernt haben, und die seine unmittelbaren Schüler oder die Schüler seinerSchüler sind *: sondern ich bekenne und verbinde damit auch gern die Be-stimmung, welche er den Liebhabern zuschreibt. Ich sage also mit diesenLiebhabern, dafs Maler, welche in demselben Lande, zu derselben Zeit le-ben und ihre Künstlerlaufbalm unter demselben Meister begonnen haben,noch keine Schule bilden, wenn sie nicht auch gemeinsame Grundzüge be-wahren, welche sie von anderen Schulen unterscheiden und ihren Zusam-menhang unter einander kundgeben. Die erste Bestimmung hat nur einen
* Ich gebe diese Meinung Sulzers aus Detmolds Anleitung zur Kunstkennerscliaft. Han-nover 1834.
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