EINLEITUNG.
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FORTSCHREITEN IN DER KUNST.
Mich dünkt, man versteht sich nicht recht über die Bedingungen und dasWesen des Fortschreitens im Allgemeinen, und besonders in der Kunst.Untersuchen wir diese wichtige Frage. Alle Freunde des Fortschreitenswerden bei dieser Untersuchung Stoff zum Nachdenken finden.
Man mufs nicht Bewegung und Fortschritt mit einander verwechseln. DerLauf eines Künstlers mag noch so reifsend und kühn sein, es ist kein Fox - t-schritt, wenn er von der Wahrheit und der Natur sich entfernt; in diesemFalle ist es vielmehr die rückgängige Bewegung, welche als ein Fortschrittbetrachtet werden mufs.
Von der Ausgangsstelle hängt grofsentheils der Erfolg eines Künstlers ab.Rafael war wesentlich im stätigen Fortschreiten; aber seine Ausgangs-stelle war auch den ewigen Naturgesetzen angemessen, er ging aus voneiner reinen, unbefangenen, fleifsigen, anmuthsvollen Kindheit. WelcheFortschritte dagegen lassen von der Übertreibung, von der Verwegenheit,von der Anmaafsung, von der Ausschweifung des Geistes sich erwarten?...Wer beim ersten Anlaufe sich auf Abwege stürzt, wie kann der Fortschrittemachen, wenn er nicht innehält und diese Bahn verläfst? Die Empörunggegen die Wahrheit gewährt keine gedeihliche Unabhängigkeit; sie schafftnur Verwirrung und führt nur zum Irrthume.
Die höchsten Gipfel, welche die Kunst erreicht hat, tragen, meines Er-achtens, eben keine Spuren von grofser Kühnheit; als da sind in der Bild-hauerkunst der Apollo von Belvedere, die Mediceische Venus und so vieleandere Musterwerke des Alterthums, und in der Malerei die Werke Rafaels,Michelangelo's und einiger ihrer Zeitgenossen: ihre Werke schliefsen kei-uesweges die sehr verschiedenen Verdienste der Paul Veronese, Rembrandt,