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[1] (1857)
Seite
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Der Hexenmeister.

Märchen von der Moses von 8t. Hocker.

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Wor vielen Jahren lebte in einer kleinenStadt ein Mann, der die schwarze Kunst trieb.Eines Tages kam ein Fremder zu ihm undbrachte dein Meister seinen Sohn in die Lehre.Der Schwarzkünstler nahm den Buben unterder Bedingung auf, daß er ihm in Allem ge-horsam sei. Das versprach Letzterer und soblieb er dann bei dem Meister. Nach Verlaufeiniger Monate mußte dieser eine Reise antreten.Beim Abschiede befahl er dem Jungen, ja nichtin seine Zauberwerkstätte zu gehen. Als nunder Meister fort war, konnte sich der Lehrlingder Neugierde nicht erwehren. Er nahm denSchlüssel und ging in die Werkstätte. Dalagen große Pergamentrollen auf dem Tische;seltsame Zeichen bedeckten Wände und Decke.Fremde Thiere hingen ausgestopft in Glaskasten.Allerlei Töpfe mit Salben und Mixturen stan-den auf dem Boden. Von der Decke hing einesilberne Kette, an der eine Schlange befestigtwar, die sich zischend umherdrehte. Unter einerGlasglocke, die auf dem Tische stand, lag eingoldener Ring, den der Bursche an den Fingersteckte. Er paßte ihm so gut, als sei er fürihn gemacht. Das däuchte ihm seltsam undso nahm er ihn mit, da er voraussetzte, daß derRing eine ganz außerordentliche Kraft besitze.

Nach einigen Wochen kam der Meister vonseiner Reise zurück. Sein Erstes, was er that,war nachzusehn, ob der Lehrling in der Werk-stätte gewesen war. Als er das Schlüssellochbesah, machte er schon so grimmige Augen,daß es dem Burschen ganz unheimlich wurdeund er sich wünschte, ein Mäuschen zu sein, um- in ein Loch kriechen zu können. Kaum gedacht,war sein Wunsch erfüllt. Nuu merkte derMeister, was geschehen, und so verwandelte er^ sich in eine Katze, die Maus zu fangen. DerLehrling aber wurde durch die Kraft das Nin-! ges, den die Maus im Munde hielt, zum Raben! und flog mit dem Ringe im Schnabel über^ das Meer. Der Meister folgte ihm in Adlers-^ gestalt. Als er ihm nahe gekommen war undz ihn zu greifen gedachte, flog der Rabe durchdas offene Fenster eines Schlosses am Strandein einen schönen Saal und verbarg sich imGehäuse einer Uhr. Der Adler war zu groß,ihm zu folgen und so verwandelte er sich inein Weizenkorn. Kaum war dieses geschehn,so stürzte der Rabe hervor, verwandelte sich inein Huhn und fraß das Korn auf. Mit Hülfedes Zauberringes wurde das Huhn wieder zumMenschen und der Lehrling trat jetzt als Meisteraller Meister auf.

Sagen aus Kärnten.

von Joseph Grazer.

Der Sieg im Erlenhaine.

Wachdem Arnulf von Kärnten zum Kaiservon Deutschland und zum Oberherrn der übrigenLänder aus der Verlassenschaft Pipins, gewähltworden war, übergab er das Herzogthum Kärntenseinem Sohne Ratold. Die Ungarn warenunter Usukun eingefallen und verwüsteten dasLand; Ratold aber zählte nur ein geringes Heer,Welches er dem Feinde entgegenstellen konnte.Da sann er auf Mittel und Wege, um Kärntenzu schützen und durchwachte den größten Theilder Nacht, bis ihn der Schlummer überkam;allein auch jetzt träumte er von der Hoffnung

auf Sieg, von dem Gedanken an allgemeinesVerderben. Endlich erschien ihm der heiligeModestus und sagte ihm, er werde im Erlen-haine siegen. Neu gestärkt erwacht Ratold,ruft seine Schaar zusammen, und gelobt demHeldenmärtyrer St. Veit eine Kirche zu bauen;er zieht in den Erlenhain, schlägt die Ungarnund erfüllt sein Versprechen. Um die Kircheaber sammelten sich bald viele Häuser und esentstand die frühere Hauptstadt des LandesSt. Veit.