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[1] (1857)
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Elwin.

Märchen von Fabricius.

Dm südlichen Frankreich, in einer. derüppigsten Gegenden lebte vor vielen Jahrenein junger und schöner Prinz, geliebt von seinemVolke, welches zu beglücken sein höchstes Strebenwar. Der Liebling an seinem Hofe war einjunger Page, dessen sich der Prinz einstens an-genommen, als das Kind durch den Tod seinerEltern hülflos und verlassen allein in der Weltstand. Der Jüngling liebte seinen Gebieterüber alle Maaßen, und sein Sinnen undTrachten zielte einzig dahin, dem Prinzen seinemHerrn zu gefallen! Mancher ältere Hofmannverging vor Aerger und Zorn über alle dieGunstbezeugungen, welche der Prinz dem Pagenzukommen ließ" und es fehlte daher auch nichtan neidischen und boshaften Menschen, welchedenJüngling durch allerlei Anklagen bei seinemHerrn zu "verdächtigen strebten, allein dieserblieb taub gegen alle Verdächtigungen undschenkte seinem Pagen, Elwin genannt, ein stetsgesteigertes Vertrauen. Eines Tages kam einfremder Ritter an den Hof, und dieser erzählteviel von seinen Reisen in fernen Landen undvon einer überaus schönen Prinzessin, welcheviele hundert Meilen davon in einem pracht-vollen Schlosse wohne, und von einer unbe-schreiblichen Anmuth sei.

Das Herz des Prinzen ward von derBeschreibung jener holden Dame so ergriffen,daß er beschloß um sie zu werben- Noch andemselben Abend befahl er seinem Kämmerersich reisefertig zu macken, und mit großem Ge-folge im Auftrag des Prinzen weithin zu reisenzu der holden Prinzessin und um ihre Handzu werben.

Die Vorbereitungen zur Reise wurden eifrigbetrieben und nach wenigen Wochen reiste derKämmerer mit den kostbarstenGeschenken versehen,ab, keinen Augenblick zweifelnd an dem Gelingenseines Auftrages.

Der Prinz gab ihm mit dem ganzen Hofedas Geleite und kehrte dann in seine Residenzzurück, um die Vorbereitungen zu dem Empfangeseiner hohen Braut zu treffen. Die Gemächerdes Schlosses wurden auf das Glänzendste her-gestellt; Ritter und Damen des Hofes wett-eiferten in der Anschaffung neuer und pracht-voller Gewänder und Tag und Nacht arbeiteteman, alles auf das Schönste aufzuputzen. Auch

die Unterthcme» des Prinzen thaten nach ihrenKräften das Mögliche um die hohe Braut ihresgeliebten Herren auf eine würdige Weise zuempfangen und die ganze iLtadt gewann baldein feierliches Aussehen. Jeden Tag ritt derPrinz hinaus auf einen hohen Berg und spähtedort stundenlang nach der Heimkehr seines Ge-sandten; nur Elwin durfte ihn begleiten.

Mehrere Wochen vergingen und wiederstanden der Prinz und sein Page auf demBerge, ungeduldig harrend, als sie gegen Abendfern auf der Straße eine Staubwolke bemerkten,und endlich Elwin freudig aufjauchzte, als erinmitten des Staubes kostbare Gewänder inder Sonne blitzen sah und ihm kein Zweifelblieb, daß die Gesandschaft heimkehre.

Der Prinz gab seinem Pferde die Sporenund ritt über Hecken und Büsche weg seinemKämmerer entgegen, so daß Elwin kaum seinemGebieter folgen konnte. Schweißtriefend kamenRoß und Reiter der Gesandschaft näher, alleinhier herrschte keine Freude! Auf allen Gesichternmalte sich tiefe Trauer und der Kämmerer vomPferde springend kniete nieder vor seinem Herrnund sagte:

Hoher Prinz! Verzeihe, wenn ich DeinenAuftrag nicht nach Wunsch erfüllte. Ich kamnach mühseliger Reise in das ferne Land undließ mich bei der Prinzessin melden! IhreAnmuth übersteigt alle Vorstellungen und ichwäre der GlücklichsteDeiner Uuterthanen gewesen,hätte ich sie Dir heimführen können als deineheliches Weib. Allein dem sollte nicht sein!Ich schilderte ihr so gut ich konnte was ihrerin unser»! Lande wartete, Reichthum und Glück,allein die Prinzessin blieb taub gegen Alles undsagte, daß sie nur derjenige als sein ehelichesWeib heimführen könne, welcher ihr drei Bittengewähre und diese Forderungen, hoher Herr,waren derart, daß kein Mensch diese zu erfüllenim Stande ist!»

Wie ?" rief der Prinz entrüstet,so wäreunter Euch allen nicht ein Einziger gewesen,der das Unmögliche gewagt hätte um seinenHerrn glücklich zu sehen? Wohlan, so will ichEuch ein Beispiel geben des Muthes und derTapferkeit und versuchen die holde Prinzessinzn gewinnen und koste es mein Leben!"

Herr," fuhr der Kämmerer fort,ich bin