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[1] (1857)
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i Die Frau weinte kläglich und bat bei allen

> Heiligen, ihres Lebens zu schonen; doch bei

dem Wütherich war kein Erbarmen Da sienun sah, daß keine Rettung sei, fiel sie auf dieKnie nieder, ihren Mörder um fünf MinutenVerzug bittend, damit sie dem Herrn ihre Seele

- empfehle.

! Auch das nicht! schrie er, in der Hölle ist

für alte Weiber der rechte Ort.

Herr, rief sie da, indem sie den blutendenArmstumpf in die Höhe hob, nimm meine Seeleauf, diesem aber verzeihe seine That und laßihn nicht auf ewig verloren gehen!

Da saus'te das Beil herab; der Kopf derGreisin war bis auf das Kinn gespalten.

Seine That zu verbergen grub der Mörderein Loch im Keller und scharrte die Leiche ein.

Als er nach vollbrachter That zu seinenSpielgenossen znrückkehrte, sahen sie das Blutauf seinem Hemde, und als sich am andernTage das Gerücht von dem Morde in Hagen^ verbreitete, gaben sie ihn als Thäter an.

! Das Gericht vernrtheilte ihn znm Tcde

am Galgen und begrub seinen Körper amRabensteine. Mit der weltlichen Gerechtigkeithatte der Mörder seine Rechnung nun abge-macht, nickt aber mit der ewigen/ Am dritten! Tage nach seinem Tode erschien er plötzlich im' blutbefleckten Hemde seinen Spielgenossen und

> sprach niit geisterhafter Stimme: Aus der

> Ewigkeit muß ich kommen, euch vor des Spieles! Folgen zu warnen! Als blutiges Wahrzeichen

stelle ich vor euch! Zur Hölle verdammt, sollteich auf ewig dem feurigen Drachen verfallen,doch die Gemordete flehte in ihrer Todesstundefür mich, und als ich vor dem schrecklichenRichter stand, erschien sie vor seinem Thronein einem weißen Lichtgewande und sprach fürmich. Da milderte sich der Zorn des Herrnund er hob niit Donnerstimme an: Um ihrerFürbitte willen soll dich das Schlimmste nichttreffen; doch sollst du in Feuer und Qualenliegen, bis du durch die Erde einen Weg vondeinem zu ihrem Grabe gebahnt hast. Allehundert Jahre darfst du hinaufsteigen und umdie breite eines Hahnenschrittes die Erdeaushöblen. So sprach er; ich erzitterte vorSchrecken und Vernichtung und doch jubeltemein Geist in Freude, daß ich nicht auf ewigverdammt war. Wisset aber nun, daß derGang, den ich zu graben habe, durch festeFelsengeht, und daß meine Seele in zwanzig Millio-nen Jahren erst zur Anschauung Gottes ge-langen wird.

Der Geist war verschwunden. Die Spielerstarrten auf den leeren Ort hin. Sie rührtenin ihrem Leben keine Karte mehr an.

Dreihundert Jahre sind seit jener Zeitverflossen und dreimal hat man an dem Platzedas Nabcnstetnes ein blutiges Gespenst in dieErde sinken sehen, und den Rumor gehört,den, es anrichtete. Aber cs sind erst dreiHahnenschritte, die cs ausgehöhlt hat.

Florian und München.

Märchen von Auguste Tenhaeff.

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Uns dem Niesengebirge lebt seit uralterZeit ein finsterer, sehr mächtiger Zauberer,Rübezahl genannt. Die Zwerge, die ans demtiefen Erdenschachte dort das Erz znm Tages-licht befördern, haben diesem, ihrem gefürchtetenGebieter, 'eine geräumige Wohnung in einemBerge eingerichtet. Zuweilen nimmt er die Ge-stalt eines alten Mannes an und erscheint so denBewohnern der naheliegenden Städte und Dörfer,wo er schöne Mädchen durch List oder Zwangan sich lockt und sie heimlich durch die Luftdavon trägt, um sie nie wieder zurück zu bringen.

Nun lebte in einem kleinen Städtchen,nahe dem Riesengebirge, ein kleines, sehr mnth-williaes Mädchen, Florinchen genannt. KeinSpiel war für sie zu wild, und außer ihremNachbar Florian konnte es ihr Niemand imLaufen und Springen zuvor thun. Mit Flo-rian allein lief sie um die Wette nach einembestimmten Ziele und gönnte ihm den Prets,wenn er für sie unerreichbar war. Florianhingegen hatte manchen Kampf Florinchenswegen zu bestehen. Wenn sie einem seiner Ge-fährten einen mnthwilligen Streich gespielt hatte,

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