„Als zwanzig Lenze mich umblühtVoll Wonne in der Mutter Schatten,
Und wilde Stürme mein GemüthNoch nicht, wie jetzt, durchzogen hatten,
Da scholl an einem lichten Tag
Ein Klang von Hörnern durch die Gründe.
Es duckte sich das Reh im Haag,
Es stutzte iu dem Klee die Hinde;
Der Fuchs, der seine junge BrutZu meinen Füßen springen lehrte,
Barg sie im Baue, fest und gut,
Wo Nichts sein schlaues Walten störte.
Das Eichhorn selbst, das leicht und keckAuf meinen Armen sonst sich wiegte,
Fubr auf, berührt von jähem SchreckUnd fest an meine Brust sich's schmiegte.
Ich selber staunt', denn meinem OhrKam solch' ein Tönen noch nicht vor.
„Bald rauscht' es in dem Unterholz,
Ich hört' ein Knicken in den Loden,
Dann stampft' ein Roß, so fürstlich stolzDen weichen, grünen Waldesboden.
Wohin ich späht', wohin ich schaut',
Gewahrt ich schweißbedeckte Hunde,
Ein Ahnen in der Seele graut',
Daß von Bedeutung diese Stunde.
Und sieh I ein Reiter, wohlgethan,
Deß Blicke Helle Strahlen schossen,
Brach sich zu meinem Hause Bahn,
Das ihm das Walvgestrüpp verschlossen.
Er trug in seiner Hand den Speer,
Sein Wesen war voll Kraft und Milde,Weit ragt' er durch die Büsche her,
Ein Riesenmal in dem Gefilde,
Ein Fels, dem sich die Woge brichtUmzittert von der Blitze Licht.
„Schnell sich der Mann voni Rosse schwang,Da stürmten auf ihn zu die Rüden,
Die seines Hornes lauter KlangMit dem Gefolge herbeschieden.
Das wölbte bald ein Blätterzelt,
Ein Teppich wurde hingebreitet,
Zwei hohe Krüge aufgestelltUnd Becher, zierlich ausgeweitet.
Drin perlt' der duftig süße Wein,
Den ihm kredenzt' ein Jägerknabe,
Dazu das Brod, so weiß und fein,Gewährt' dem Müden rechte Labe.
Das saft'ge Fleisch vom jungen Hirsch,
Der gestern seiner Hand erlegenUnd heut' gebraten zu der Pirsch,
Vollendete des Mahles Segen.
Im grünen Walde, lang und vollDer Klang der Jägerhörner scholl.
„Als nun der Mittagssonne GluthVersengend durch die Lichtung brannte,
Sein Blick dort auf dem Thälchen ruht',
Wo niederspringt des Felsens Kante.
Zum Schlummer war's der rechte Ort,
Matt schienen seine Augenlider.
Er sandte das Gefolge fortUnd legte sich zur Ruhe nieder.
Die Jäger streiften durch den Wald,
Ein einz'ger Hund den Herrn bewachte,Jndeß auf grünbekränzter Halb'
Jni Nest die Turteltaube lachte.
Es klopft' am moos'gen Stamm der Specht,Das Eichhorn auch begann sein Hüpfen,
Der Fuchs lehrt' fröhlich sein GeschlechtVoll List zu springen und zu schlüpfen.
Sonst war es still im kühlen Raum,
Ich selber nickte halb im Traum.
„Da horch! wie rauscht's am Felsenquell,Der durch die Brombeerbüsche fließet,
Und seine Fluthen silberhellDort in den kleinen Teich ergießet.
Ich blickte auf, noch schlummerschwerUnd glaubt', den Augen nicht zu trauen.Noch heut'gen Tags ergreift's mich sehr,Bedenk' ich, was ich sollte schauen.
Ein Weib taucht aus des Bornes Rund,Geschmückt mit aller Reize Prangen;
Es leuchtete der volle MundWie Rosen, die erst ausgegangen.
Der Leib war wie der Blüthenschnee,
Der weiß und zart und duftig scheinet,
Die Blicke strahlten Lust und Weh',
Drin lagen Nacht und Licht vereinet,
Und um der reinen Stirne GlanzWob sich von grünem Schilf ein Kranz.
„Das war die Fee vom Waldesborn,
Ich hörte einmal von ibr sagen,
Sie Hab' der strengen Mutter ZornDort hingebannt vor vielen Tagen.
Nie war sie dem krystaü'neu Haus,
Der Silberfluthen Grund entstiegen,
Doch heute war die Prüfung aus,
Sie dürft sich frei im Lichte wiegen,
Sie durfte trinken Sonnenschein,
Am Blumenhange ruhend lauschen,
Sich ihres jungen Lebens freu'n,
Einherzieh'n in des Waldes Rauschen;Ausströmen ihres Herzens DrangIn ihren besten, schönsten Liedern,
Und dann der Vögel süßen SangMit schönerm, süßerm Sang erwidern,
Weil sie für volle sieben JahrDes Geisterbannes ledig war.