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[1] (1857)
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weiter ergangen; wir dürfen aber nicht zweifeln,daß sie sich tapfer gehalten haben in alle derkirchlichen und politischen Noth der damaligenZeiten. Und wenn jetzt die Liebenden, die dasMißgeschick haben, in verschiedenen Kirchen ge-tauft zu sein, nur den Muth hätten, zu be-denken, daß die Liebe weder katholisch nochprotestantisch zur Welt gekommen; sie würdensicher auch eine von mächtigen Geistern ge-

schützte Stätte finden und zu einem christlichfrommen Bund sich vereinen und alle das Ge-zänks um gemischte Ehen würde ein Endehaben, vor der Macht einer ächten, gottgetrostenLiebe. Der Chronik nach steigt der alte Rübe-zahl alle dreihundert Jahre gewiß zur Ober-welt; wer weiß, für welches glückliche Paar erin diesem Sommer auf der Schneekoppe dieHochzeit einrichtet!

Der Schwanring.

von N. Hocker.

(Aus einem EposMelusine.")

ZMittsommertags, wenn rings umherDer Thau an grünen Büschen funkelt,

Und neugestärkt der Vögel HeerIm Forste singt, der fern noch dunkelt:

Dann liegt ein Friede auf der Au,

Dann steigt ein Duft aus Gras und Kräutern,Dann sucht die Spinne in dem Thau; Ihr zartes Netz sich zu erweitern.

Sie webt die Fäden hell und feinVom Halme bis zur Blumenglocke,

Und hüllt in leichte Schleier einj Der Samenkapsel weiche Flocke.

Dann winkt der rothen Beeren GluthAls Mahl der Amsel, sich zu letzen,

Und zu der Sllberquelle FluthSieht man das Reh im Sprunge setzen,

Jndeß schon heimkehrt von dem BornDer stolze Hirsch durch Klee und Dorn.

O Waldespracht! o grüner Grund!

Wo riesige Bäume flüsternd ragen,

Wie thut mir hier das Rauschen kund§ Aus ihrem Leben schöne Sagen.

Jahrhunderte sind äufgerollt! So hell vor meines Geistes Blicken,

Und. wie umstrahlt von Sonnengold,

Seh' ich die Ferne näher rücken.

Das ist ein Schaffen, wie noch nie,

^ Ein Werden und ein Neugestalten,

! Und zauberhaft muß Poesie

Ihr Wunderreich vor mir entfalten.

! Wie aus der Hülle dunkler Nacht! Des Bildes Farbcnglanz sich zeiget,

! So aus der Zeiten tiefem Schacht

i Ein frisches, volles Leven steiget,

! Wenn rings umher die Waldesruh

? Mir winkt, wie Sabbathsstille, zu.

Am Felsen dort, wo Rosen blühn,

> Hebt kühn ihr Haupt die Rieseneiche:

Des Waldes hehre Königin.

Sie trotzte fest des Wetters Streiche,

Sie hob sich die Erinn'rung auf^ Als Trost für ihres Alters Stunden,

Und hatt' in ihres Daseins LaufSchon manchen Freudenkranz gefunden,j Sie zog um sich der Kinder Schaar,

! Zum Schmuck dem stattlichen Geschlechts,

^ Und breitet um sich wunderbari Des Laubdachs schützende Geflechte.

Sie schaut so ernst hinaus ins Land,

Ein grauer Wartthurm ans der Höhe,

! Ein Hüne, der mit mächt'ger HandBewahrt den Schatz in seiner Nähe,

Der unberührt vom SturmgebrausHält Wache vor der Fürstin Haus.

Ich sinke hin ins weiche Moos,

Ein Lager ist's von grünem Sammet,Dran, wie in eines Mädchens SchoosDas Licht von Diamanten flammet;

! Die jungen Stämme selsin mich anSo freundlich ernst, so still bescheiden,

, Als kännten sie den fremden MannMit seinem Lieben, seinen, Leiden.

> Sie grüßen ihn mit leisem Wort

! Und lächeln, daß er alten MärenZu lauschen kam an diesem Ort,

Wo sonst nur Vogelruf zu hören.

Hier stört ihn nicht der Menschheit Fluch,Mit ihren Mühen, ihren Träumen,

Hier ist er selber sich genug,

Ein König in des Waldes Räumen.Umzittert von dem DämmerlichtVernehm' ich, was die Eiche spricht: