Druckschrift 
[1] (1857)
Seite
230
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

230

die Kirche legen, die Füße gegen das Gemäuergekehrt. Wenn ihr dann hinaus geht auf dasFeld, so werde ich sie lebendig machen.

Die Erwachsenen thaten nach des Feuer-geistes Geheiß, nur die Kinder blieben im Dorfe.Der Feuergeist saß auf seinem L-essel, indeßBernard in der Stube spielte und Johannasich draußen zu thun machte. Nimm einSchwefelhölzchen aus der Dose dort auf demGesims, sprach er zu dem Knaben. Schnellwar dieser bei der Hand, denn er spielte sogern mit Schwefelhölzchen, weil Vater undMutter es ihm stets verboten. Streiche danutüber meinen Mantel, sprach der Feuergeist.Der Knabe that es mit Vergnügen, aberPlötzlich sprühten züngelnde Flammen aus demKleidungsstücke und fuhren in allen Richtungendurch die Küche und von da in die Stube undin den Stall. Die Flammen mit Rauch ver-meng! , schlugen bald zum Dach und zurHausthüre hinaus. Unglücklicher Weise wardie uittereHälfte verschlossen und der geängstigteKnabe bemühte sich vergebens, sie zu öffnen.Er schrie in seinen Nöthen so erbärmlich, daßdas Schwesterchen herbeilief und mit Schreckenden Brand gewahrte. Feuerbrand und seine Frauvernahmen'ebenfalls das Klagegeschrei und dasie die Augen aufhoben, gewahrten sie ihr Hausin Flammen. Eilig liefen sie herbei, hoben denKnaben über die Thüre und wollten dann m'sHaus dringen, um zu löschen, aber der Feuer-geist trat ihnen zürnend entgegen und sprach:

Wer eine Hand zum Löschen regt, ist des Todes.Die armen Leute mußten zusehen, wie er Strohund Heu in die Flammen warf und die Kohlenüberall hinstreute, wo sie leicht zünden konnten.Ha, wie das brennt! schrie er voller Entzückenmitten in den züngelnden Flammen und klatschtevor Freude in die Hände.

Feuerbrand schrie voller Entsetzen: Alsodoch ein Brandstifter! Möge ihm der Herrgnädig sein! Im Nu war das Gebäude einAschenhaufen. Die Nachbarn umstanden dieStätte und der alte Haß begann wieder inihren Herzen zu keimen. Der Geist aber nahmseinen rothen Mantel voll von der glühendenAsche und rief: Folget mir! Voran schritt erzum Friedhöfe, wo die Leichen um die Kirchelagen, wie er angeordnet hatte.

Jetzt stellte er sich dem Hochaltäre gegen-über und streute eine Hand voll Asche in dieLuft, durchschritt den Kreis der Scheintodten,immer Asche säend und Sprüche murmelnd.Plötzlich erhoben sich Alle, die im Kreise lagenund stimmten deni Herrn einen Lobgesang an.Der Feuergeist aber breitete seinen Mantelauseinander und flog als brausende Flammezu den Wolken empor, wo er verschwand.

Da nun nach einigen Tagen Feuerbrandmit betrübtem Herzen den Schutt wegräumte,um eine neue Hütte zu bauen, da fand er unterden Fundamenten einen großen Schatz glänzenderFeuerthaler, welcher ihn zum reichsten Mannedes Dorfes machte.

Arms.

Märchen von Ludwig Bund.

In einem Dorfe lebte einst eine Wittwemit ihrem einzigen Sohne, welcher Lucas hieß,in großer Dürftigkeit; doch beide waren sobrav und gut wie arm.

^ucas hütete bei einem reichen Pächterdie L-chaafheerde, die Mutter drehete emsig dieSpindel, wofür sie Hausmiethe und sonstigeBedürfnisse erhielt.

Lucas war als Kind immer schwach undkränklich gewesen, doch seitdem er Tag für Tagmit der Heerde auf den freien Bergen umherzog,wurde er schön, stark und groß. SeineMutter hatte ihm oft von dem Vater erzählt:wie er die Welt durchmeffen, wie er als Krieger

in den Kampf gezogen, welche Schlachten ermitgemacht und wie er zuletzt auf dem Schlacht-felde schwer verwundet gestorben sei.

Solche Erzählungen wirkten mächtig ausdas Herz des jungen Mannes, und wenn ermit der Heerde einsam zwischen den Felsenumher schweifte, trat ihm immer das Bildseines Vaters vor die Seele; dann ließ esihn nicht ruhen, dann erfaßte auch ihn dieLust die Welt zu sehen.

Als er einst an einem schönen Herbsttagedie Zugvögel sich sammeln und fortziehen sah,da wurde seine Brust von einer solchen Wan-derlust erfüllt, daß ihm die Hellen Thränen