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[1] (1857)
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bis auf die Schuhe, und selbst diese waren vonrothem Saffian. Sein Haupthaar und derlange Bart, welcher von seinem Kinn herab-wallte, waren von derselben Farbe und leuchtetenim Dunkeln, daß man hätte glauben sollen, esloderten züngelnde Flammen um ihn herum.Dieser Mann klopfte an alle Thüren an undbat um ein Nachtlager, aber die Leute fuhreneilig in die Häuser zurück und schnappten dieThüre in's Schloß, denn sie fürchteten sich vorihm und dachten, daß er ihnen ein Leid anthunwürde. Als er auch in dem letzten Hause ab-gewiesen worden war, schüttelte er im Zornseinen rothen Mantel und ballte eine Faustgegen die Dorfbewohner. Aus dem Mantelaber flog beim Schütteln eine Wolke von glüh-rothen Funken, welche wie goldglitzernde Sterneznm Himmel emporschossen und sich dort ineine dicke Funkenkugel zusammenballten, die miteinem donnernden Krachen auseinanderplatzteund dann in bläulichen Flammen hernieder-regnete, so daß einer hätte glauben sollen, dasganze Dorf werde im Feuer verzehrt. Dasgeschah zum Glück nicht, vielmehr fing der rotheMann alle die züngelnden Flämmchcn mit seinemMantel auf und wandte sich dann um, dasDorf zu verlassen. Da gewahrte er das Hausdes Feuerbrand, schritt aus dasselbe zu undpochte an der Hansthüre. Als Feucrbrandöffnete, fuhr er voll Angst zurück, aber derrothe Mann haschte seine Hand und sprach:Dein Name ist Feuerbrand und deßwegen mußich in deinem Hanse Herberge finden, denn dasFeuer ist mir unterthänig und muß sichmeinem Willen fügen!

Schon war er in die niedrige Stubegetreten, wo Mutter Margaretha mit Bcrnardund Johanna voller Schrecken seiner Erscheinungentgegenstarrten. Alle drei brachen in einZetergeschrei ans, wie sie ihn in der Stubestehen sahen, die plötzlich wie im Feuer schwamm.Es glühte und glitzerte in allen Winkeln; dasflackernde Licht strömte ihm aus dem Bart- undHaupthaar, aus allen Fäden seines Mantels.

Fürchtet euch nicht, sprach er, denn ichbringe euch nur Gutes! Und znm Beweiseschüttelte er seinen Mantel. Diesesmal aberfuhren keine Funken aus seinen Falten, sonderneine Handvoll glänzender Goldstücke klingeltenauf den Zimmerbodeu nieder. Da habt Ihrdie Herberge im Voraus bezahlt, fuhr er fort,und nun werdet Ihr doch keine Einwendungenmehr macken.

Ohne Umstände legte er den rothen Mantelbei Seite und nahm den Lehnstuhl ani Feuer-herde ein. Margaretha wartete nnt Schrecken

Märchen und Sagen X.

und Händeringen des Augenblicks, wo dasganze Hans in Flammen aufgehen würde. Dadieses aber nicht geschah, wich ihr Schreckeneinem grenzenlosen Erstaunen und sie wagtees, den feurigen Manu mit festen Augen anzu-sehen. Auch Bernard und Johanna verlorenallmählig ihre Furcht und ließen sich mit seinenleuchtenden Fingern durch die Haare streicheln.

Margaretha hatte einen guten Theil Neu-gier und es zuckte ihr in allen Fingerspitzen,zu erfahren, wober der absonderliche Gastkomme und welches Gewerbe er treibe, aber siewagte es nicht mit der Frage herauszuplatzen,sondern ging fein säuberlich darum herum.Der Gast aber merkte ihr Vorhaben alsbaldund sprach lächelnd: Nun Margaretha, ich willeuch nur die vielen Umschweife sparen und auseure Gedanken eine directe Antwort geben.Weil ich der Feuergeist bin, darum wollte icham liebsten bei dem Feuerbrande Quartiernehmen, und mit der Einkehr bei den übrigenDorfbewohnern war es ohnehin mein Ernstnicht, ich wollte nur ibre Herzen prüfen.Allzusehr kann ich's ihnen freilich nicht verdenken,daß sie mich von der Thüre wiesen, den» meinAussehen ist eben nicht darnach gemacht,dem Menschen viel Vertrauen einzuflößen.Wüßten sie aber, was ich Alles für sie gethanbabe und noch täglich tlme, so würden siewohl anders handeln. Mein eigentlicher Wohn-sitz aber, Frau Margaretha, ist tief unten imSchooße der Erde. Seht wenn man hierunter dem Sessel ein Loch bohrte, immer tieferund tiefer bis in den Mittelpunkt der Erde,dann würde man auf eine ungeheure Feuer-maffe stoßen und dort ist ineine Residenzund meine Werkstätte.

Margaretha schaute schnell nach dem Fleckeunter dem Sessel bin, als ob sie fürchtete, dieFlamme könne wohl schon dort heraufzüngeln.

Ja, fuhr der Feuergcist fort, das ist einganz gewaltiger Kessel, von dessen Größe ihrkeinen Begriff habt. Die hohen Schweizer-alpen würden darin versinken, wie ein Reiskornim Suppenkessel. Es brodelt und tos't fort-während darin und hört nie auf zu kochen.In fürchterlichen Massen wälzt sich unaufhörlichdas Unterste zuoberst und stürzt dann wiederhinab. Auf tausende von Meilen stößt dieserKessel seine Dämpfe aus und erhitzt die Erdeweit und breit. Kein Gestein ist hart genug,das er nicht im Augenblicke in einen glühenden,flüssigen Brei verwandelte.

lieber dem Kessel befinden sich Schornsteine,die unten viele Stunden weit sind, nach obenaber immer enger werden und in vielen Rich-

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