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Sagen.
von vr. Mannhardt.
Das verwünschte Schloß zu Kalthaus.
Mus hohem Berg bei Karthaus lag in al-ter Zeit ein Schloß. Das schaute mit seinenZinnen und Thürmen weit über Land undspiegelte sich in den Wellen des noch heute sogenannten Burgsee's. Jetzt ist es verwünschtund noch gar lange mag es dauern, bis derRetter sich findet, der es erlösen wird. Dennversucht hat es schon Mancher, aber der Rechteist noch nimmer gekommen.
So weidete vor etwa dreißig Jahren einHirt seine Heerde am Fuße des Berges. Dasieht er plötzlich eine Jungfrau vor sich stehn.Die war schneeweiß und goldene Locken um-wallten ihren Hals und Nacken. Als er sienun gewahr ward, da sprach sie, er solle siein den See tragen. Das werde sein Schade
j nicht sein, nur aus eines möge er achten und! unterwegs nicht hinter sich schauen.
Der Hirte versprach es und lud alsbalddie Jungfrau auf den Rücken. Es dünkteihn gar leicht die süße Bürde zu tragen. Aberer hatte einen moorigen Grund zu durch-schreiten und da Wurde sie schwer und immer^ schwerer, so daß er bald hie und da hinsankund stille stehen mußte, sich ausruhn. Dochnoch schwerer ward sie und er konnte nichtweiter. Nun ward er ungeduldig, dachte nicht^ des Verbotes und schaute zurück. Da stand —o Wunder! — das alte Schloß halb erhobenvor ihm und schaute, wie ehemals, stolz in dasThal hinab. Aber jetzt sank es, wie es gekommen,unter die Erde zurück, und als der Hirte sichumsah, war auch die Jungfrau verschwunden.
Die versunkene Kirche zu Bankau
Mm Bankauer Walde liegt der schwarzeSee, ein dunkles, schilfumwachsenes Gewässer,inmitten eines echoreichen Thales. Auch hiererzählt die Sage von einer versunkenen Kirche.Oft hörte man die Glocken noch läuten, jamitunter steigen sie sogar aus der Tiefe em-por und man hat sie über dem Wasserspiegelgesehen. So gewahrte einst ein Hirt in derNähe, wie die eine große Glocke emportauchte,und schnell eilte er hinzu, sie zu fassen undans Land zu ziehen. Aber ehe es noch ge-schehen, kam, wie der Blitz, ein alter schwar-
zer Kossebvck (Ziegenbock, der erste Theil ausdem polnischen Hora dicZiege) aus derFluthgefahren und drängte sich zwischen ihn unddie Glocke. Er gab darum sein Vorhabennicht auf, sondern griff rüstig immer zu überden Kossebvck hin, eine ganze halbe Stundelang. Immer jedoch blieb es vergeblich, undals die halbe Stunde um war, sanken plötz-lich Glocke und Kossebvck in den See zurück.Von unten herauf tönten die Worte: Hättestdu nach dem Kossebvck gegriffen, so wärenwir erlöst, nun gehen wir verloren.
Der versteinerte Brautzug bei Fitschkau.
Mn Fischkau sollte eine Hochzeit sein. Die !Brautleute und mit ihnen die Gäste waren ^auch schon zur Trauung nach der Löblauer !Kirche gegangen und die alte Mutter, welche !zu Hause geblieben war, wartete mit Schmer-zen ihrer Wiederkunft. Aber sie harrte langevergebens und schon war Stunde aus Stundeverronnen und kein Brautzug ließ sich blicken.
Da ward sie unwillig und sprach: O ihr
Teufelspack, das ihr doch all zu Steinen wür-det. Als sic das sagte, waren die Leute schonauf dem Heimweg und hatten Fitschkau bei-nahe erreicht. Da fühlten sie plötzlich ihre Füßestarr und schwer werden, und die Kälte stiegimmer höher. Mit einmal standen sie festund alle ihre Glieder waren in Stein gewan-delt. Noch heute siehst du am Wege ihre selt-samen Felsgestalten.