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[1] (1857)
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Thale manches Jahr die Ziegen gehüthet, bisBertram sie einst getroffen und innige Liebefür sie empfunden.

Nun hatte der Bertram ein schönes An-wesen und war sicherlich der hübscheste Burscheweit und breit, aber er war dem Trünke unddem Spiele ergeben und ^ brachte oft ganzeNachte draußen mit wüsten Gesellen zu.Tuschen wußte das recht wohl, denn seineSchwelgereien lebten in aller Munde, und esgab Leute genug, die ihr sagten: Tuschen,nimm den Saufaus nicht; sein Anwesen wirdnur allzubald in der Schenke vertrunken seinund dann bist du ein unglückliches, verrate-nes Weib, das für Zwei zu sorgen hat undnoch Schläge obendrein bekommt. Suschenwar nicht blind für Bcrtram'ö Fehler, imGegentheil gab eS vielleicht Niemanden imThale, der sie schärfer sah und den sie mehrschmerzten, als gerade sie. Auch hatte sieAugenblicke genug, wo sie sich all das Elendausmalte, welches dem Weibe eines Säufersund Spielers bevorstand und doch wollte undkonnte sie nicht von ihm lassen, denn die Liebehatte sich gar zu tief in ihr Herz eingegraben.Zahlreich flössen ihre Thränen auf die Maaß-liebchen der Wiese, wenn sie an ihre Zukunfdachte, doch dienten sie nur dazu ihre Liebe zuvergrößern und jede Thräne war gleichsamein befeuchtender Thau, der sie desto lustigergrünen und blühen machte. Aber so ist esso häufig im Frauenherzen, je theurer cs einengeliebten Gegenstand durch Leid und Kummererkauft hat. desto fester klammert es sich andenselben, desto größer wird die Furcht, ihn zuverlieren.

Ihr Umgang hatte auf Bertram nach undnach einen veredelnden Einfluß ausgeübt, mansah ihn seltener bei Karten und Brandtwein-glas, und je mehr er diesen Lastern den Rückenwandte, desto bezaubernder strahlte er in Schön-heit und Jugendfrische. Da gesellte sich all-gemach zu ihrem heimlichen Kummer ein Ge-danke des Trostes: sie wollte ihn nicht alleinlieben und pflegen, wie es eines treuen WeibesPflicht, sondern ihn auch zurückbringen vondem Wege des Verderbens und als rettenderSchutzengel an seiner Seite wandeln. Indiesem Vorsatze hatte sie noch ein eigenthüm-licher Vorfall bestärkt, den sie auf Rechnungeiner höheren Macht schrieb. Als sie nämlicheinmal unter Thränen aus ihrem Lager knieteund die Heiligen um guten Rath in ihrenEntschlüssen anrief, da war laut und ver-nehmlich eine Stimme wie aus weiter Fernezu ihr herübergedrungen, welche sprach: Werde

sein Engel! Und das hatte sich in dreiNächten wiederholt. Seit jener Zeit hättenalle Mächte der . Erde nicht vermocht, sic vonihm zu trennen. Am andern Tage schon, alser fragte: Suschen, willst du mein Weibwerden, antwortete sie mit fester Stimme: Ja,ich will es!

Da ließ auch die Hochzeit nicht lange aufsich warten und mit ihr schien das Glück unddie Nüchternheit in das Haus Ungezogen zusein, denn Bertram war wie gänzlich umge-wandclt und schien selbst die Erinnerung anseine wüsten Genossen verloren zu haben. InArbeitsamkeit und Thätigkeit wandelten sichHans und Garten, die lande so verödet amWege gelegen hatten, in ein Paradieß um,und die Zeit bestand nur noch aus einerununterbrochenen Kette von Glück und Frieden.

In einer solchen seligen Stunde findenwir sie in der Jasminlaube. Suschen erhobden Kopf und mit dem Finger hinab in'sThal zeigend, sprach sie: Sieh, Bertram, wieda unten die Wälder grünen und der Thauauf den Wiesen blitzt! Wie schön! Wie schön!Wohl ist es schön da unten, gab Bertram zurAntwort, aber nirgends ist es doch schöner alsbei dir, Suschen.

Da schlang die junge Gattin den Armum seinen Nacken und lispelte: Ich weiß daßdu mich liebst, und so wird es immer bleiben,wenn wir treu zusammenhalten. Und dochhabe ich so oft gefürchtet, daß es anderskommen könnte! Wenn du wüßtest, wie vieleThränen ich um dich vergossen habe, weil ichfür unsre Zukunft fürchtete. Dem Herrn undden Heiligen Dank, daß meine Furcht nurthörichte Einbildung war! Nicht wahr Ber-tram, du bleibst nun immer so gut und kehrstnie mehr zu den Karten zurück?

Und würdest du mich weniger lieben,wenn ich's thäte? fragte Bertram. Gewißnicht, gab Suschen zur Antwort, ich kannnicht anders, ich muß dich lieben! Würdestdu selbst Dieb und Mörder, mein Herz würdenicht aufhören, ewig warm für dich zu schlagen,aber ich würde leiden, und, nicht wahr, daswillst du nicht?

Sei ruhig, mein Kind, antwortete Ber-tram, ich weiß, was ich dir schuldig bin. Solange du mir bleibst, bin ich sicher vor denFallstricken des Bösen, der mir einst unaufhör-lich nachstellte und mich wider Willen gefan-gen nahm. So gieb mir ein feierliches Ver-sprechen, drängte Suschen, daß du nie mehreine Karte anrühren oder dich vom Geiste derTrunkenheit willst bethörcn lassen!

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