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doppelt sauer, da das Ziel derselben uns nochunbekannt ist.

Na, sorge dich nicht, Gertraud, erwiderteGermar, hat uns auch der geldgierige undboshafte Amtsvogt unverschuldeter Weise vonHaus und Hof gejagt, so werden wir dochirgendwo anders eine Zufluchtsstätte finden.Leute, die keine Arbeit scheuen, kriegen über-all Brod. Von allen Andern müssen wir jetztsuchen Haussen zu erreichen.

Ach, und was dann? seufzte Gertraud.

Was dann?nun, dann überlassen wirdas Andere dem lieben Herrgott und der FrauHolle, die auf dem alten Meisner Hausensoll, fuhr Germar scherzend fort, ohne zu be-merken, daß ihm in diesem Augenblicke einuraltes verkrümmtes Mütterchen ganz nahegekommen war.

Von Frau Holle sprecht Ihr? fragtedieses. Ei sie wird Euch nicht viel helfen.

Meinst du Alte? erwiderte Germar.

Ja wohl, sagte diese, es gehen wohl vielgute Sagen im Lande Hessen herum von FrauHolle, aber noch viel mehr der schlimmen.Sie soll deil Spinnerinnen zur nächtlichen Weiledas Garn verwirren und den Flachs anzünven.

Ja, erwiderte Germar, denen, die lieberfaulenzen als spinnen wollen.

Sie soll den Dirnen die Bettdecke vomLeibe ziehen, und sie nackt aus das Stein-pflaster legen.

Ganz recht, versetzte Germar, wenn sienicht früh genug ausstehen mögen zur Arbeit.

Nehmt Euch in Acht, nahm hierauf dieAlte mit leiser Stimme das Wort, sie soll auchdie Kinder in Wechselbälge verwandeln.

Die Bösen, ja, so sagt man, die frommenaber macht sie zu Glückskindern, darum habendie meinen nichts von ihr zu fürchten.

Ihr habt einen festen Glauben auf dieBergfrau, sprach hierauf die Alte, aber Ihrwerdet sehen, daß er an ihr zu Schandenwerden wird. Nun meinethalben, thut wasEuch beliebt, ich habe cs gut mit Euch ge-meint und Euch gewarnt.

Darum danken wir Euch auch für euregute Meinung, sagte Germar, und wollenEuch eine kleine Wegzehrung nicht versagen.

Aber bedenke doch, rief Gertraud, als sieGermar seinen mageren Geldbeutels aus derTasche ziehen und denselben offnen sah.

Ei, was ist da zu bedenken, entgegneteGermar, ein Pfennig mehr oder weniger, machtuns nicht unglücklich und die Alte scheint,ihrem Aeußeren nach, seiner wohl zu bedürfen.

Ach ja wohl, versetzte das Mütterchen und

nahm die dargebotene Münze. Danke, dankeviel tausend Mal für Euere Gabe, möge Euchder Himmel Euere Mildthätigkeit belohnen.Nach diesen Worten knirte und nickte die Altenoch mehrere Male mit freundlich grinsendemGesichte, und verschwand sodann hinter demGebüsche.

Und nun laßt uns unsere Wanderungwieder sortsetzen, sagte Germar, wir habenjetzt auSgeruht genug und noch einen hübschenWeg zu machen, bis wir Haussen erreichen.

Auf diese Ermahnung erhob sich die ganzeFamilie, und setzte ihren Weg durch das wildeund unwegsame Gebirge fort.

Die düsteren Schatten welche das Zweig-geflechte über ihren Häuptern verbreitete, botihnen eine angenehme Erquickung, nur bereuteGermar, die Alte nicht um den nächsten Wegnach Haussen befragt zu haben, da es abernicht geschehen war, so setzten sie ihre Pilger-fahrt auf das Geradewohl fort.

Sie mochten bereits mehrere Stunden durchdie Wildniß gewandert sein, als Germar be-merkte, daß sie wirklich irre gegangen, unddarüber nicht wenig bekümmert wurde. Ernahm die beiden Knaben auf die Arme undermahnte sein Weib und sein Töchterlein,rüstiger vorwärts zu schreiten.

Aber immer dichter und dichter wurde dieWaldwüste um sie her, und immer dunklerund dunkler die Schatten der Bäume, derenBlätter im frischen Abendwinde zu rauschenbegannen.

Ach, da entschwand Germar alle Hoffnungund schon gedachte er mit den Seinen dieNacht im Walde zubringen zu müssen.

Plötzlich aber rauschte es im Gebüsche,und zwei leuchtende Augen funkelten auf Germaraus dem Dunkel. Es waren die Augen einerschwarzen Katze, welche sich gleich darauf zuihm gesellte.

Ei sieh doch das hübsche Thier, sagteGermar, wie mag sich nur die Katze in denWald hicher verloren haben?

Wenn eS auch nur eine wirkliche Katzeist, meinte Gertraud, und nicht...

Und nicht eine Waldhere, ergänzte Germar.Laß dir doch so etwas nicht träumen. Siehnur, wie sie ihr seidenes Hälschen an meinemFuße reibt, und so zutraulich schnurrt undkollert. Gewiß ist hier irgend eine Hütte inder Nähe, wohin sie gehört.

Ach, wenn es doch so wäre, sprach Gertraud,ich kann fast nicht mehr weiter.

Und ich auch nicht, sekundirte ihr weinendesTöchterlein.