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[1] (1857)
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Da nahm der dumme Hans das Schaafcheu, dasTischchen und den Knüppel ans dem Sack undwandert heimwärts. Wie er nun ankam, daließ er alle Freunde und Nachbarn zusammen-kommen, und sagt ihnen, er hätt' einen Knüp-pel mitgebracht. Drob fingen sie alle an ent-setzlich zu lachen und zn spotten, meinten, ersei noch dümmer zurückgekommen als er gewe-sen, aber der Hans blieb ruhig, sagt "nur:Knüppel aus dem Sack!" und ließ die ganzeGesellschaft ein Bischen hernmspringen, daß

Jeder ein blaues oder braunes Flecklein auf-zuweisen hatte. Da hieß es:Knüppel inden Sack!" denn es bedruckte ihm genug. Daholt er das Tischlein vor und das Schaafchenund erquickte die Zerbläntcn mit einem leckernMahl und schenkte einem Jeden eine HandvollGoldstücke. Nun lebten sie Alle in Herrlich-keit und Freuden, und es muß wohl noch sein,falls sie das Tischchen und das Schaafchen nochhaben, den Knüppel aber behielt der dummeHans bis an sein seliges Ende.

Halgrim und Hildegund.

vo» vr. Johann N. Vogl.

Hm Ulviugsthale in Norwegen lebte einjunger Landmann, Namens Halgrim mit seinerMutter, für welche er die kleine Wirtschaftbesorgte.

Es fehlte ihm nichts zn seinem stillenGlücke, als eine Hausfrau, und dennoch schienes, als ob ihm die Freuden der häuslichenLiebe von dem Geschicke für immer versagtbleiben sollten.

Halgrim liebte nämlich mit all' der Gluteines jugendlichen Gemüthes eine Jungfraumit Namen Hildegund, deren Herz nicht un-empfindlich war gegen die Gefühle des wackerenund jugendkräftigen Halgrim. Leider theilte»ihre Eltern nicht die Gesinnung ihrer Tochter,und zwangen diese, einem Reicheren ihre Handzu geben.

Aus dieser Ursache faßte Halgrim denEntschluß sich nie zu verehelichen und lebtevon nun an, still und in sich verschlossen mitseiner Mutter.

Da aber geschah es, daß der schwarzeTod seine unheilvollen Fittiche auch über Nor-wegen erstreckte. Mehr als zwei Drittheileder Bevölkerung wurde durch die schrecklicheSeuche dahingerafft und ganze Landstricheverödet.

Auch Halgrim und seine Mutter warenvon der Seuche ergriffen worden und gabensich für verloren. Lange war Halgrim ohneBesinnung gelegen, als er wieder zu sich kam,war das erste, was er erblickte, die Leicheseiner Mutter.

Mühsam entraffte er sich seinem Lager,knieete vor dem Leichnam bin und betete, dannwollte er die Nachbarn ersuchen, daß sie ihmhelfen sollten sie zu begraben.

Als er aber in die Nachbarhäuser trat, warauch in diesen alles stille, finster und öde, und

nur die Leichen der Besitzer oder ihrer Ange-hörigen lagen dort umher.

Da ergriff ein tiefes Entsetzen den armenHalgrim rmd er faßte nun selbst die Ueberresteseiner Mutter auf den Rücken und trug siehinaus auf den Friedhof und bestattete siemit Thräncu, als ein guter Sohn.

Was sich aber auf dem Wege nach demFriedhöfe und auf demselben seinen Blickendarbot, war nur dazu geeignet das Grauenund Entsetzen in seinem Inneren zn steigern.Wohin er blickte, sah er nur verzerrte Leichen-gestalten, entstellte Opfer des schwarzen Todes.Nirgends aber gewahrte er ein lebendigesWesen. Das ganze Thal in Handanger warausgestorben.

Von Entsetzen und Angst gepeitscht, floher hierauf die Gegend und wagte es nicht,das Haupt zurück zu wenden. Nur sein kleinertreuer Hund folgte ihm, er aber bemerkte ihnnicht in seinem schreienden Schmerze.

So floh er wie der erste Brudermördervon Thal zu Thal, von Berg zu Berg , aberüberall bot sich ihm dasselbe Schauspiel dar,überall grinzte ihm nur der Tod aus hohlenAugenhöhlen der Hingewürgten, aus denherrenlosen Häusern und den verlassenen Hüttenentgegen.

Der Gedanke, daß er allein übrig ge-blieben sey von Allen auf der Erde, erfüllteihn mit Verzweiflung, und er beschloß daher,seinem schrecklichen Geschicke selbst ein Endezu machen.

Mit der Hast des Wahnsinns erklomm ereine Felsenspitze, welche weit über schauerlicheKlüfte und Abgründe ragte.

Noch einmal sank er auf die Kniee undbat Gott, daß er ihm verzeihen wolle, daß erder Natur vorgreife, und als er gebetet hatte,