Aber der Bär ging redlich nach Haus, als redlicher VaterUnd sein weinendes Weib mit der Rede getröstet' er ruhig:
„Weißt du was mir zu dem raschen gnädigen Frieden geholfen?
Was ich auch thun muß, thu' ich gewillt uud von ganzem Gemüthc;Dem Schnee-Könige mußt' ich mich beugen; so sagt' ich ihm wahr-treu:„Einst ließ mich ein König begrüßen; dem dankt' ich in ZüchtenDenn schon immer verehrt' ich sie hoch, und sie sind so vortrefflich,
Daß ich nur wünschte: es wär' aus jeglichem Dorfe derselbenEiner, und Einer in jeglichem Hause - da lebte die Welt froh,
Stets durch Ehrfurcht selig beglückt in unendlichem Frieden."
Und da der Adler erst fort war, nahm er die Huldigung hoch aus!
Ganz dasselbige sag' icb dem Leu — und er müßte von Stein sein,
Wenn ich das nackete Leben doch nicht fort aus dem Gericht trüg!"
Drauf in der Nacht, da die Feuer entbrannt und dem König der Thron stand,Kam er und setzte sich, ruhig umstellt von dem schweigenden Volke:
Alles Verbrochene gleich auf einmal gründlich zu richten,
Nimmer Dasselbige noch nach strafend, Verziehenes läugnend,
Oder ein Fünkchen von Schuld aus Asch' aufblasend zum Waldbrand.Und der sich trocknende Fuchs stand klappernd sich wärmend am Feuer
„Einstiger Feldherr, jetzt nur einfacher schuldiger Fuchs!" — scholl's,
„Weißfuchs, vor! Du bist von der öffentlichen Geschichte
„Aus Volksmunde verklagt: als Feldherr seist du entlausen!"
Und ehrgeizig, den Titel doch sich noch zu retten, versetzt' er:
„Darauf weiß kein Fuchs sogar etwas zu sagen als: wahr ist's!
Aber warum? davon weiß noch die Weltengeschichte den Kuckuck!
Ward ich vom Lämmergeyer empor in den Himmel getragen,
Priesen mich Thoren wohl selig sogar — auch wenn ich zerhackt ward —Ganz des Entlaufens kindunschuldig. Den Königen Wahrheit:
Hier in dem Lilienkelch - (den die Frau ihm verstohlen gereichetUnd er dem Tiger gereicht, ihn dem thronenden Löwen zu reichen)
Da in dem Lilienkelche da liegt mir die rettende Wahrheit;
Schad', daß die Todten wie stumm, dumm, taub und wie blind sind,
Denn sonst würde die Horniß, die Du drinn siehst, Dir bezeugenUnd sehr froh: „den Hab' ich gestochen, und so — zum Entlaufen!"
Als er ein Lächeln sah aufblühn in des Königs Antlitz,
Fühlt' er gewonnen, und faßte sich Muth zu der Fordrung:
„Jeglichen Fclbherrn fordcr' ich auf, ja dich selber — erlaub's ihr —
So dich, und dahin stechen zu lassen —und fort zu befehlen!
Und daß ich todt sie gequetscht, das legt mir Keiner als Mord aus!
Darum spreck' ich mich frei und ganz unschuldig! Ihr Andern
Lieft bei dem Ersten schon fort — Ich ertrug drei schändliche Stiebe!"
Laut auflachte das Volk, und der König, er stimmte dem Volke zu.„Geh'! ich bewundre den Herrn Sobneekönig, versetzte der Löwe,
„Der dich belistet, du Fuchs! auch wenn ich den Bären verklage,
Daß er dich Feigen zum Feldherrn machte, dir Nasen und Ohren,
Arm' und Beine der Deinen und Leben und Tod in die Hand gab!
Nicht blos Schmerzen zu machen, das muß er verstehen, der Feldherr,Sondern sie selbst zu ertragen! Da weiß er: was Andere dulden!"
„König, o sieh'auf den Grund!" sprach er, „und du bringst mich zu Ruhm noch!Wußte der Herr Schneekönig zuvor nicht: was ich beschlossen,