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[1] (1857)
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Schneekönigskinder.

Ein deutsches Märchen in zwölf Gesängen von Leopold Schefer.

Motto:

Locht! lackt laut mir, ilir Kinder! die Weit ist Euch nur noch BilderKindergeläcktcr ist süß; dock heimlicke -drende noch süßer!

Erster Gesang.

Das Frühstück im Waldr.

Wingsum Frieden erfüllte die Welt; leis zogen die WolkenDroben, die Bächlein drunter; den Mund rings hielten die Winde,

Leis wuchs Gras und Saat und leis drin krochen die WürmchenJetzo hinauf und jetzo hinab von der Spitze des Kornhalms,

Als war' alles zu Ende gethan, und keine der MäuseHätt' ein Mäuschen zu säugen, und mehr kein Hühnchen zu brütenHätt' ein Huhn; dem erblasseten Vollmond stand der Verstand still,

Gleichwie der Sonne das Auge verstärkt. Das machte der FriedenDer einschläfernde, süße, im Arm sein Weib, die Gewohnheit.

Kaum ein Fuchs wo schaute zum Loche heraus doch da war nichtsIrgend Verdächtiges früh, noch Verdächtiges spät wo zu wittern!

Nachts im Wald auf dem Baumsturz schlürfte die Eule; der AdlerSchweifte betrübt, doch bemüht, durch seinen verlorenen Himmel,

Einst sein Reich, bis darum ihn betrog schlau Herr Schneekönig.

Da früh hatt' es gethaut und cs funkelten Blumen und Büsche

Da mit dem Wolf ging spürend der Bär im Walde nach Frühstück,

Wandelnd sprach er zum Wolfe:Wer hier so schlendern uns sähe,

Könnte vermeinen, wir gingen nach Art unsinniger LeuteHier spazieren! Doch wir Herrn Thiere, wir thun so von Kind aufNur aus nöthigem Ernst, was den Anderen glückliches Spiel scheint,

Unschuld liebe, die Zeit zu verflüchtigen. Närrischer Wahn das!

Mir heut kollert der Magen von Hunger noch. Aber da seh' ichTreu von der Nase geführt, von Honige fließend den BaumstammHier mit dem Loch' im Leib, das die Bienen zur Beute veredelt!

Hoch, hoch leben die Nasen!" so sprach er und rief zu den Bienen:

Honigvögel, ihr kleinsten heraus! und grüßt Frau Königin schön mir!"

Und nun schmaust' er sich satt vom Winterbedarfe der ArmenDraus er sich Stücken gelangt, von den Bienen umschwärmt und gestochen,

Doch ganz fühllos vor Lust und vor Pelz, und in jeglicher TatzeEine gedeckete Jungfrauenhonigs-Scheibe, die zarte, dle weiße,

Biß er und er im Gehn, daß der duftende Saft ihm behaglichLecker vom Maul troff. Bald satt, bot er die Eine dem Wolf an.

Aber ihm dankte der Wolf mit verbindlichen Worten und sagte:

Jeder hat seine so eigene Speise, die schmeckt ihm am besten!

So wird Alles gegessen, und Nichts bleibt übrig was KeinemSüßer Genuß wär sei es die älteste Katze dem Raben,

Oder der Katze die Maus, und dem Hund der verscharret« Knochen,

Selber die Laus fräß gern noch den Bettler sich auf und die Kinder.

Märchen und Sagen in.

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