Druckschrift 
[1] (1857)
Seite
23
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

23

Ewigkeit ausgeführt, wenn ihn nicht ein unerwar-tetes Ereigniß daran verhindert hätte. Plötzlichlag nämlich vor seinen Augen das stolze Schiff,auf dem er vor Kurzem aus dem Pfefferlaudegekommen war. Niemand hatte es vorher Ankerwerfen sehen, Niemand das Gestalter seinerSegel gehört. Auf dem Verdecke stolzirtengroße Äffen umher, im Takelwerke sprangenMeerkatzen unter ohrenzerreißendem Geschreiauf und nieder, lieber die Planke, welchevom Schiffe an's Ufer führte, schritt ein mäch-tiger Orang-Utang oder Waldteufel, nahmden widerstrebenden Kaufmann an der Handund führte ihn auf's Schiff. Unsichtbar, wiees gekommen, war es bald auch verschwunden

! und Niemand hat seitdem eine Spur davoni gesehen.

^ Wo der Kaufmann geblieben kann mitSicherheit nicht angegeben werden. Einigeglauben, er sei auf der Höhe des Meeres vomTeufel geholt worden, andere sagen, die Affenund Meerkatzen hätten ihn erwürgt, wiederandere, er sei von den gefräßigen Alligatorenbinabgeschluckt worden.

Die arme Liese, der er einst ein LothThee verweigerte, behauptet indeß, er treibeauf seinem Geisterschiffe in, Pfefferlande Handelj mit den Wilden und sei verdammt, es zu thunj bis zum jüngsten Tage, ohne je den Gewinn> seines Betruges erndten zu können.

Pmnmerellische Sagen.

MtgetyM vo» W. Mannhardt.

I. Der Jnngfernberg bei Schönfeld.

Hwei Kinder, ein Knabe und ein Mäd-chen aus Schönseld, begegneten um die Mit-tagszeit bei einem Berge vor dem Dorfe einerweiß gekleideten Jungfrau. Die that sehr zu-traulich, schenkte ihnen Stecknadeln und sonsti-es Spielwerk und krauelte sie in ihren gelbenocken. Anderen Tags kamen sie wieder, auchdie Jungfrau war wieder da. Dann kamensie alle Tage, spielten mit ihr und hatten siesehr lieb. Die Mutter aber bemerkte, daß dieKinder um die Mittagszeit immer von Hausewaren, paßte einmal auf, schlich ihnen nachund sah die Jungfrau an dem Berge sitzen.Das kleine Töchterlein hatte seinen Kopf in jihren Schooß gelegt und sie koste mit ihm und jstreichelte seine gelben Haare. Darüber wurde ^die Mutter böse und verbot den Kindern das

Hingehen. Allein sie hatten die Jungfrau zulieb und machten sich andern Tags zur ge-wohnten Stunde heimlich davon. Als dieMutter ihre Kleinen lange vergeblich gesuchthatte und endlich wieder bei dem weißen Fräu-lein fand, brach sie in die fürchterlichsten Flücheaus und verwünschte die Jungfrau 1000 Klaf-ter unter die Erve. Augenblicklich that derBerg sich auf, fing an zu kreisen und zu wir-beln und mit kläglichem Geschrei fuhr dieJungfrau hinein. Herauf wirbelte ein unge-heurer Mühlstein, der erst kürzlich sortgenom-men sein soll. Die Jungfrau erschien nichtwieder. Aber häufig findet man Stecknadelnund derartige Dinge auf dem Hügel, der bisauf diese Stunde den Namen Stecknadel-oder Jungs er nberg führt.

2. Der Teufels-Geiger.

Hn Gribno bei Karthaus wohnte einSpielmann, der wegen seiner ausgezeichnetenKunstfertigkeit in der ganzen Gegend berühmt

war. Mehr als einer unternahm es ihm denRang streitig zu machen, aber keiner hielt dieWette mit ihm aus. Man wollte wissen, er