Druckschrift 
Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
Entstehung
Seite
627
Einzelbild herunterladen
 

.M

.,-. 7/7 Mji^it»

' .!>

-^77^77

^ ^ -s--ZZ^'O

- ,,/'^7?chW»'7 77^ÄW!D

-. ... '""ÄsM.1 ii'' ..'-7-^AstR

- 77-«»!^

- - », M»x

-s^DZ7^77-7

sW

.>-f.

t/ -'

7-W-7W

" ? ,7^

<^77?^

von dem Fürffenthmm desPabffes.

62.7

H.Wsstpiirv de»

LaMv^-»Stk!t.

Wß will

Mbattar^Mi dss

Diese und alle Pabstliche menschen - Atzun-gen konten der neu-erfundenen religion destomwermerckter und beständiger angcschmieretwerden/ nachdem man das helle licht des evan-gelii unter denscheffel geftecket/dre heiligeschrifft den laxen/unterm vorwande der un-verständligkeit/ unVollkommenheit und besorg-ten ärgernisses/verächtlich getnacht/ und end-lich gar verboten/ und dargegen die v-aNitio-ns8 und vermeinte mundliche lehr- sätze der Apo-stel und heiligen männer/ deren autoritär derschrisst gleichgültig wäre/ eingeführet. Zu be-haupmng dieses von menschen-witze ersonne-nen gottesdienstes war die maxime sehr vor-traglich/daß der pabst infMbe! wäre und al-lein die capscität hatte/ die schriffc autbenti-ce zu erklären/und alle gtaubens -strei-tigkeiten anff eine unfehlbare art Zurichten und zu schlichten/ ja Himmel undhölie zu eröffnen und zu schließen.

Sie sühreten das meß-opfercin vor leben-dige und rode/ sonderten dadurch die Geistli-chen von den weltlichen/und machten jene alleinwürdig / dieses opsers mündlich zu genießen;wodurch denn der respect und vorzug derClerisex überaus erhöhet und sublimiretworden ; zu geschweige»/ daß die öffentlicheUnd privat - messen/ so wohl auch die seel-messen/ eines der ergiebigsten mittel gewe-sen/wodurch die Clerisey zu solchem reich-thum gelanget. Die lehre der ?ranslubttan^wtlvn oder verWandelung des gesegnetenbrodts in Christi lelb/und des gesegne-ten rveins in Christi blut im heiligen abend-mahl/und die daraufferfundenenproceKonLshaben der Geiftligkeit ansehen und vensrationauch vermehret; sintemahl die weltliche Po:en-tarcn/ Kayser und Könige/ ausllevoewn gegendie geglaubte allerheiligste gegenwart des leidesChristi / in der procellion mit kertzen zu gehen/unddcnHerrenGeistlichen den Vorzug zulassenberedet worden.Aus dem hochmuth der Geistli-chen ist Hernachmahls/ ob wohl etwas spät/das kclchverbot hergefioßen/ krafft dessen denLayen das hochwürdige sacrament nur unterder gestalt des brodts ausgespendet werdendarss Hcrgegen führete der Pabst schon zei-tig/nebst der tauffe und dem heil, abendmahl/noch fuuff neue sacramenta/ nemlich diepriesterwezhe/ firmelung/ busse/ ehe / undlegre öluug ein. Dabey das absehen zwei-felsfrei) auss mehreren respect der Priester/und mehr opfer-pftnnige/ legata/ milde stiffc-und schenckungen und dergleichen gerichtetworden. Insonderheit ist die busse und sün-den-strafen/ wegen der daher rührenden er-kaussungen verdienstlicher wercke undc>n, ein überaus reiches Aegal vor diePäbstliche kammer worden» Gleichwie dieohrcn-bczchtedarzu gedienet/daß dieGeistlig-keit alles haarklein erfahren/ die wider dasinteresse derkirchen laussende conlilia bey zel-ten entdecken und unterbrechen / und die her-tzen der grossen auffihren willen desto mehr zu-rück lencken können. Wiewohl auch die deich-te und ablolutionez eine der fürnehmsten ein-kommen der Pastorn und Pfarrer worden»Sintemahl aus der taxa (^anLellariX) welcheein Datzrius oder baxZtor der Röm'fchen ean^Viepdte Haupt-Handlung

tzelley beschrieben/ gnugsam zu ersehen/ wasvor schachcrey mit der absolution getriebenwerde. Zu geschweige» / daß in der ohren-beichte die schändlichste verbrechen oder so ge-nannte casus cumcieutiX auss diebahn gebrachtwerden. Das fegftucr und seel - messen wur-den die reichste funb-und gold-grube/welchemehr gold und silbers zur ausbeute / aisgantzAmerica/ gegeben. Solchem feuer folgte derrauch des Masses gar nahe nach/welcher denguten Layen viel geld ausschwitzen gemacht/der PäbMchen Heiligkeit aber/ und der ge-sammten Clerisey fürtreffliche fette suppen an-gerichtet hat. Worzu denn dio lehre vonguten wercken und deren verdienstligkeitauch forderlich war. Was blinden gehor-sam die kirche von denen Layen erfordert/ istauch aus dem vieryigtägigcn fasten undenthaltung gewisser spessen und andererdinge zu mercken.

Und was haben die jubeljahre insonder-heit/ welche numehro alle fünff und zwantzigjähr zu Rom gehalten? und der ablaß ausalle sünden / auch die crimina relervata, oderdie allerschwcrsten verbrechen ausgcspendetwerden/vor vortheil und Nutzbarkeiten/ ichwill auch jagen / gehorsam gegen den Pabst/ -mit sich gebracht ? Von dem kirchen - bannist zu gedencken/ daß derselbe viel erbärmliche stbarmuch^würckungen auch über gantz unschuldige lcute^^^^nach sich gezogen» Zum exempel: Wann einPotentat mit den Prälaten seines tandes odersonst znit dem Pabst nicht wohl stunde/oder sichseine ju5Z und Regalien nach der Clerisey am-buion nicht nehmen lassen wolte/ltnd darüber-m bann kam/musten deswegen die armen un-schuldigen unterthane uiit leiden. Da legte manden gottesdienst in gantzen lande nieder/ließ diekirchen und gottes-äcker zuschließen/läutetekeine glocken/ und konte bey Währung solchenbanns kein unterthan im Himmel kommen/wver sich nicht wider seinen Land-Herrn auffleh-nen / und an demselben zum rebellen werdenwolte. Ja es geschähe/ daß der Pabst sohche lande an andere verschenckre/ und zu ero-bern überließe. Währete nun der bann lange/so wurden die todtcn cörper auf die gaste wieHunde geworffen; daher ein solcher stanck ent-standen/ daß fast das land davon mkciret wor-den.Die ausführliche ankündigungen und esse-cten des bannes meldetPabstsulws ihn derBul-le wider die Venetianer vom iahre Christi 1509/so bey Goldasto in Aeichs-Handlungen fot»

72 seq. zu befinden» Angleichen ist die Bulladenckwürdio/ durch welche Pabst Paulus ucKönig Henrichen in Engelland bLnmllret. Je-mehr sich nun ein Herr gegen den stuhl zuRom und dessen Clerisey demüthigte/ ie grössereinsolentz hatte er zu erfahren /Md ie mehr" Mwinn an allerhand fetten ccwllitionen gäbe esvor die Geiftligkeit» Und ist hieraus leicht zuschließen/ wie sich die große Herren vor dembann gefürchtet»

Ich erinnere mich/ daß emsten Pabst Inno-ceMms lll Aönig Philipp Äugttssett iktFranekreich/ und Röntg Iohnkmcm in En-geüand / wegen arrestirung der Bischöffe zuCambray und keauvals, zugleich mit demHann bedrohet. Wäre dieses fortgegangen/