Druckschrift 
2: 1887
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Seligenstadt mit den Reliquien der heiligen Mar-tyrer Marrellinus und Petrus.

Heu Seligenstadt, früher Ober-Mühlheim

genannt, mit einer ehemaligen Benediktinerabtei, von alten Zeiten her be-rühmt dnrch die dort befindlichen Reliquien der heiligen Märtyrer Mar-cellinus und Petrus, welche zu Ende des Jahres 827 oder zu Anfang desJahres 828 von Rom aus nach Ober-Mnhlheim gebracht wurden. EinAndachtsbüchlein zu Ehren dieser Heilgen, welches zu Seligenstadt im Ge-brauche ist, sagt darüber:

Die Märtyrer ihr Blut für Gottes Ehr' vergossen,

Doch Samen ist's des Heils, dem Christen nun entsprossen.

Das hat nun Seligenstadt seit mehr als tausend JahrenDurch manche Hüls' und Gnad zu seinem Trost erfahren;

Es dankt's dem ersten Abt, dem Eginhard mit Namen,

Durch den die Märtyrer nach Ober-Mühlheim kamen.

So hieß vor langer Zeit der Ort, den wir bewohnen.

Bis man uns hat geweiht den heil'gen Schutzpatronen;

Doch fortan Seligenstadt ihn unsre Väter nannten,

Weil hier die Seligen die letzte Nuh-Statt fanden!

Der h. Marcellinus war Priester, der h. Petrus aber Exorcist derrömischen Kirche. Beide erlitten im Jahre 303, zur Zeit als die diokle-tianische Verfolgung am heftigsten wüthete, zu Rom den Martertod. Petruswurde vor den Präfckten Screnus geführt und beschuldigt, daß er denGöttern nicht die schuldige Ehrfurcht beweise. Als der Richter ihn aus-forderte, den Göttern Opfer zu bringen, weigerte er sich dessen standhaftund bekannte mit Frcimuth seinen Glauben.

Er wurde nun in einen Kerker geworfen, und dem GefängnißoberstenArtemius zur Bewachung übergeben. Dieser hatte eine Tochter Paulina,die von einem bösen Geiste besessen war und von demselben viel zu leidenhatte. Petrus empfand inniges Mitleid mit ihr und betete zu Gott, daßer sie von ihren Leiden befreie. Sein Gebet wurde erhört und das Mädchenward sofort gesund.

Daraufhin nahm Artemius mit seiner Gemahlin Candiba und der ge-heilten Paulina das Christenthum an. Ihrem Beispiele folgten ihre sämmt-lichen Hausgenossen, viele ihrer Nachbarn und Bekannten und einige derEingekerkerten, im Ganzen über 300 Männer und eine noch größere Anzahlvon Frauen. Sie alle wurden von dem durch Petrus herbeigerufenen hei-

Starkenburg, an der hessischen Ludwigs-