Druckschrift 
2: 1887
Seite
379
Einzelbild herunterladen
 

— 379 —

der dreißigjährige Krieg aber unterbrach die Wallfahrten wieder auf einegeraume Zeit.

Nachdem jedoch durch den im Jahre 1648 geschlossenen westfälischenFrieden der Krieg beendet nnd die Ruhe wieder hergestellt worden war, er-wachte auch sogleich die Sehnsucht der Eichsfelder, den Hilseusberg wiedereinmal zu besteigen.

Vor dem Hilfenstage des Jahres 1649 herrschte daher auf dem ganzenEichsfeldc eine große Bewegung und man sah die Wallfahrer von allenSeiten her dem Berge zuströmen. Besonders ließen es sich die Bewohnervon Heiligenstadt angelegen sein, mit großem Glänze dahin zu ziehen, indemdie Bürgerschaft, was bisher nicht geschehen war, in Prozession dahin zugehen beschloß und zu diesem Zwecke eine neue Fahne anfertigen ließ. Umdie Feierlichkeit des Auszuges noch zu erhöhen, begleitete man die Prozessionmit dem Hochwürdigsten bis an die Liboriuskapelle, wo man sie mit demSegen entließ und am Abend des folgenden Tages auf dieselbe Weise wiederempfing, welcher Gebrauch auch für die Folge beibehalten wurde.

Später wurde das Ansehen des Berges bei den Landleuten noch da-durch besonders erhöht, daß der Kurfürst Johann Philipp im Jahre 1667selbst nach dem Eichsselde kam und den Hilfensberg besuchte. Der Kurfürstfuhr nämlich am achten Mai von Heiligenstadt nach Geismar, übernachtetedaselbst, ritt am anderen Morgen ganz früh auf die Höhe, beichtete, lasMesse, theilte das heilige Abendmahl aus und hörte andächtig die Predigtmit an, welche der Jesuit Pater Müller hielt. Einige Jahre später kamauch der Fürst Joachim von Fulda nach dem Berge, verrichtete auf dem-selben seine Andacht und schenkte einen Theil vom Arme des heil. Bonifaziusin die Kirche.

Die Besorgung des Gottesdienstes auf dem Hilfensberge, außer denWallfahrtstagen, wurde auf folgende Weise angeordnet. Der Pfarrer zuGeismar mußte vom Palmsonntage an bis zum Feste Allerheiligen Amt undPredigt, wobei die Gemeinden Bebendorf und Döringsdorf erscheinen müssen,auf dem Berge selbst, im Winter aber und zwar von Allerheiligen bis Palm-sonntag in der Kirche zu Döringsdorf Gottesdienst halten. Damit aberauch die Umwohner des Berges in der Woche zuweilen Gelegenheit habenmöchten, auf dem Berge Messe zu hören, stiftete Landgraf Christian vonHessen-Rheinfels, geboren 1689, ein Sohn des Landgrafen Carl von Hesten-Rheinfels und der Landgräsin Juliane Alexaudrine, geborene Gräfin vonLeiningen-Dachsburg, welcher zu Eschwege residirte, „zu größerer Ehre undGlorie Gottes, den Lebendigen und Abgestorbenen zum besondern Trost . . .nach vorhererlangtem Conseus und Genehmigung des löblichen jungfräulichenKlosters Annarode, welchem benannter Hilfensberg ouru jurs patrouatusineorporirt ist", drei Messen wöchentlich und verordnete dabei:

„dass von obcnangeführten ISO heiligen Blessen nach Hindansetzung