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2: 1887
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Gnadcnbild, welches heutzutage von zahlreichen Andächtigenin Werl verehrt wird, befand sich in alter Zeit in der StadtSoest, in der Pfarrkirche zur Wiesen. Damals schon hatten nicht blos dieBewohner der Stadt, sondern auch die weite Umgegend in ihren Nöthen undAnliegen bei diesem Gnadenbilde Hülfe gesucht. Besonders groß aber wurdeder Zulauf des Volkes durch eine wunderbare Begebenheit, welche sich mitdem edlen Junker von Schüren zugetragen, der in den Jahren 1512—1519Bürgermeister der Stadt Soest gewesen.

Dieser Herr war schon sehr alt und konnte Alters halber nicht mehrzum Bürgermeister gewählt werden, da er nicht mehr gut zu gehen ver-mochte. Einmal hörte er, da er in seiner Schlafkammer zu Bette lag, eineStimme, die also sprach: „Stehe auf, nimm das Bild unserer lieben Frauvon der Wiesen und trage es zu den Schwestern im Paradiese (Domini-kanerinnenkloster bei Soest), dort soll man mir eine Hochmesse singen; dar-nach trage das Bild wieder nach Soest zurück in die Kirche zu der Wieseund stelle es an seinen Ort."

Der Bürgermeister gehorchte, nahm das Bild auf seinen Rücken undging damit eine Strecke weit. Da kam er ans einen unbekannten Weg,ganz mit Dörnern bewachsen, so daß ihm davor graute. Doch siehe, einHund stand da und leitete ihn so sicher, daß er keinen Schaden litt. Alser vor das Paradies kam, verlies ihn der Hund. Er wurde darüber sehrbetrübt, weil er nicht wußte, wohin er sich später wenden sollte und wie erwieder nach Hause komme. Als jedoch die Hochmesse gesungen war, fander den Hund wieder vor dem Paradiese, der ihn ebenso nach Hause zumSt. Walburgisthore leitete. Da sprach dieselbe Stimme zu ihm: „DiesesUmtragen meines Bildes soll alle Jahre am nächsten Sonntag nach unsererlieben Frau Geburt geschehen." Als aber der Bürgermeister gestorben war,achtete man auf den Befehl der Stimme nicht mehr und das Umtragen desBildes unterblieb.

Bald darauf brach in Soest die Pest aus und nun erinnerte man sichdes früheren Befehles; das Umtragen des Bildes wurde wieder aufge-nommen und die Pest verschwand. Von dieser Zeit an geschah diese Um-tragung lange Jahre hindurch. Als aber die Irrlehre Luthers im Jahre1531 auch in Soest sich einschlich und der größte Theil der Bürger vomkatholischen Glauben abfiel, nahm auch die Andacht zu unserer lieben Frauab. Das Gnadenbild wurde in einen Winkel geworfen und dort über hun-dert Jahre ohne alle Verehrung verborgen gehalten.

Der Kurfürst von Köln, Max Heinrich, ein gar frommer Diener derallerseligsten Jungfrau, hatte von diesem Bilde gehört und suchte es in sei-

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