Druckschrift 
2: 1887
Seite
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Münster und Hohenburg versah. Im Besitze dieses Ordens blieb dannHohenbnrg bis znr französischen Revolution, wo die Abtei als Eigenthumder Nation erklärt und verkauft wurde. Damit begann eine traurige Periodefür das Kloster. Es wechselte innerhalb sechszig Jahren sieben bis achtmalseinen Besitzer, bis es dem Bischöfe von Straßbnrg, Andreas von Raes,zur größten Freude des Elsasses gelang, im Jahre 1853 aus milden Gabendas alte Heiligthum für seine Diözese anzukaufen und wieder herzustellen.Zur Bewirthung der Pilger und Reisenden, die im Sommer in großer An-zahl den Berg besuchen, bestellte er die barmherzigen Schwestern von Rhein-acker bei Zabern, welche diesem Dienste in opferwilligster Liebe sich widmen.

Ans der Spitze des Felsabhanges liegt die sogenannte Thränenkapelle,in welcher Ottilia so oft für die Seele ihres Vaters gebetet hat, und diethurmartige Engelskapelle, welche die äußerste jähe Spitze des Felsens kröntund ehedem wohl der Wachtthurm des alten Schlosses Hohenburg gewesensein mag. — Die Kirche, von außen ein einfaches massiv steinernes Gebäude,ist im Innern recht anmuthig und schön. Zwei Reihen schlanker, dorischerSäulen tragen die Gewölbe der Schiffe und bieten dem Auge bei der schö-nen Harmonie der Proportionen einen wirklich wohlthuenden Anblick, derdurch die außerordentlich reichen und eleganten Holzschnitzereien der beidenScitenaltäre, der Kanzel, der Orgelbühne und besonders der sechs altenBeichtstühle noch gehoben wird. Namentlich sind die eichenen Beichtstühlewahre Meisterwerke alter Holzschneidekunst, die so recht das einfache, sinn-volle Gepräge der Vorzeit tragen. Eine Thür auf der Evangelienseite derKirche führt in die sogenannte Kreuzkapelle, die sehr alt und in romanischemStile erbaut ist. Sie hat vier Gewölbe mit nur 3^/z Meter Höhe, diedurch eine sehr interessante niedere Ccntralsäule und acht in die Mauer ein-gefügte Pfeiler getragen werden, während zwei kleine vergitterte Fenster,zwischen denen sich ein steinerner Altar erhebt, ein spärliches Licht verbreiten.Außer einem alten Grabmal, in welchem die Gebeine der Eltern Ottiliensgeruht haben sollen, sieht man noch zwei schöne Sarkophage mit Glasdeckcln,in deren einem eine hölzerne Statue Etichos liegt, während der andere eineFigur der h. Ottilia umschließt. An die Kreuzkapelle reiht sich unmittelbardie mit Scenen aus ihrem Leben ausgemalte Kapelle der Heiligen selbst, inwelcher sie gelebt hat und gestorben ist. Ihr ehrwürdiges Grab, nur ein-mal zur Zeit der französischen Revolution von gottesschänderischcn Händenangetastet, hat mit ihren heiligen Ueberresten die Stürme der Jahrhunderteüberdauert und es ist dem Pilger auch heute noch vergönnt, vor den Ge-beinen zu beten, welche vor mehr denn einem Jahrtausend ihre engelreineSeele umschlossen.