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In der belagerten Burg befand sich ein Ritter Namens Bornero.Diesen hatte der Hauptmann Zorno gezwungen, unter seinen Truppen zudienen und so mußte dieser bereits seit mehreren Jahren wider Willen demWüthcrich sein Schwert widmen. Als nun die Burg enge belagert wurde,hielt Bornero die Zeit für gekommen, sich an Zorno zu rächen und seineFreiheit wieder zu erlangen. Er schloß deshalb mit mehreren Gleichgesinntenvon der Besatzung einen Bund, um den Hauptmann gefangen zu nehmenund dem Erzbischofe von Trier zu überliefern; aber dieser Plan wurde ver-rathen und Bornero in's Gefängniß geworfen. Zorno beschloß nun, ihnvom höchsten Punkte der Festung in das feindliche Lager schleudern zu lassenund so , seinen Tod herbeizuführen. Er ließ auf der Zinne eines Thurmeseine Wurfmaschine aufstellen und Bornero aus dem Gefängnisse herausbringen.
Bornero sah natürlich seinen Tod voraus und in dieser Angst flehteer zur allerseligsten Jungfrau und gelobte, ihr zu Ehren eine Kapelle zuerbauen, wenn er am Leben erhalten bliebe. Voll Vertrauen auf die Hülfeder Gottesmutter legte er seinen Harnisch ab und bestieg das Gerüst. DieHenker ergriffen ihn, banden ihm die Hände und Füße zusammen und schleu-derten ihn mit Hohnlachen über den Abgrund. Er fiel jedoch in das Ge-strüpp des gegenüber liegenden Abgrundes und blieb unverletzt. Mit Freudenward er von dem Kurfürsten empfangen.
Bornero machte nun dem Kurfürsten über den Zustand der Festenähere Mittheilung: es sei nur noch wenig Proviant vorhanden, so daß dieBesatzung bald aus Hunger kapituliren müßte.
So geschah es auch; dennoch schenkte der Kurfürst dem Befehlshabergroßmüthig das Leben; er zwang ihn aber, in ein Kloster zu gehen unddort für seine Schandthaten zu büßen.
Eingedenk seines Gelübdes erbaute nun Bornero auf dem gegenüberliegenden Berge eine Kapelle zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria.Da der Erzbischof während der Belagerung der Feste Thuron hier seineBleiden oder Wurfmaschinen hatte aufstellen lassen, so wurde dieser BergBleidenberg genannt, welcher Name demselben bis auf den heutigen Tagverblieb. Gewiß hat auch der Erzbischof zum Baue derselben beigetragen,denn er selbst weihte sie nach eroberter Feste im Jahre 1250 ein. Sie ist,wie ein Zeichen der Hülfe Maria's an dem Ritter Bornero, so auch einDenkmal des Sieges über den Hauptmann Zorno und der Befreiung desganzen umliegenden Volkes von den Raubzügen desselben.
Daß diese Kapelle nunmehr von den Anwohnern fleißig besucht undsomit ein Wallfahrtsort wurde, darf uns nicht wundern. Bei der Kapellelag ein Hof, in welchem der Erzbischof sein Quartier aufgeschlagen hatteund welchen derselbe zur Dotation der Kapelle hergab. Nachdem am Endedes vorigen Jahrhunderts die Franzosen das linke Rheinufer eingenommenhatten, verkauften sie diesen Hof mit der Kapelle und letztere fiel allmälig