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2: 1887
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vor sich ging, aber nicht mit den Sinnen ihres Leibes nahm sie diese Dingewahr, sondern sie ruhten in ihrer Seele und waren sowohl am Tage als inder Nacht, im wachen und in schlafenden Zustande vorhanden, so daß siezu jeder Zeit schreiben konnte, ohne von ihrer Umgebung oder von ihremKörper gestört zu werden. Dabei hatte sie aber doch häufig Schmerzen undLeiden, denn Gott wollte verhindern, daß sie von ihrer großen Begnadigungstolz werde.

Ihre häufig wiederkehrende körperliche Schwäche und ihre Schmerzenhinderten sie, ihre zahlreichen und umfangreichen Werke alle selbst zu schreiben;oft war sie genöthigt, Andern zu diktiren. Zu diesen Helfern gehörte ihrBeichtvater, der Mönch Gottfrid, dem sie zuerst ihre Gesichte offenbart hatte.Nach seinem Tode traten andere Mönche an seine Stelle. Wenn sie garzu leidend war und keinen der schreibenden Mönche vor sich lassen wollte,bediente sie sich zweier Klosterfrauen, welche das Gesprochene und Gesungeneniederschrieben.

Die meisten Mittheilungen des Himmels wurden ihr in lateinischerSprache, die sie nicht gelernt hatte, aber dennoch beim Niederschreiben oderDiktiren verstand. Oft erhielt sie die Offenbarungen in einer anderenSprache und dann gab sie den Inhalt in der deutschen wieder, konnte sieaber selbst nicht schreiben.

Als Gottsried gestorben war, wurden der Abt Ludwig, der PropstWezelin von St. Andreas in Köln und andere Personen ihre Helfer beimAbfassen ihrer zahlreichen Schriften.

Im Jahre 1147 weilte der Papst ;Eugen III. bei dem ErzbischofeAdelbero zu Trier. Der Erzbischos Heinrich von Mainz begab sich nun auder Spitze seiner Geistlichkeit nach Trier und trug dem Papste die SacheHildegardens vor, damit er entscheide, was davon zu halten sei.

Mit dem Papste war eine Menge Bischöfe, Erzbischöfe, Kardinäle undAebte und eine große Schaar von Geistlichen nach Trier gekommen. Alsder Erzbischos von Mainz dem Papste eine Schilderung von den wunder-baren Ereignissen machte, war dieser im hohen Grade erstaunt, aber erwollte nicht ohne Prüfung entscheiden, sondern sandte den Bischof Alberovon Verdun, den Primicerus Adalbert und andere geeignete Personen nachdem Dissibodenberge, um ohne Aufsehen zu untersuchen, was an der SacheWahres sei.

Sie folgten ihrem Auftrage und untersuchten Alles so genau, als esihnen möglich war, dann kehrten sie mit ihrem Berichte nach Trier zurück.Nachdem der Papst sie gehört hatte, ließ er sich die Schriften Hildegard'svorlegen und las sie den Kardinälen und Bischöfen selbst vor. Der mit-anwesende h. Bernhard und die Kirchenfürsten waren über den Inhalt derBücher erstaunt, sie alle erkannten, daß Hildegard eine göttliche Prophetin