Druckschrift 
2: 1887
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Nöthen bei ihr Hülfe suchten. Ein frommer Bauersmann aus dem DorfeEsch hatte dasselbe dort aufgestellt, Eberhard war sein Name. AufrichtigeFrömmigkeit, kindliche Einfalt und stille Geduld waren die Hauptzüge seinesCharakters. Eine besondere Verehrung und Liebe zu Maria zeichnete ihnaus und bewog ihn zu einem ehelosen Leben. Ging er Morgens an seinTagewerk, so suchte er zuerst noch seine Statue heim, verrichtete dort seinGebet, zündete eine Lampe vor derselben an und schmückte sie auch von Zeirzu Zeit mit Blumen. Auch seine Nachbarn und Bekannten suchte er zueiner innigen Verehrung Maria's anzueifern.

Solche Huldigungen ließ die mildreiche Jungfrau nicht unbelohnt.Bald hörte man von auffallenden Gebetserhörungen und Gnadenerweisungen.Dadurch entstand ein großer Zulauf des Volkes, so daß zu Zeiten mehrLeute um die Muttergottessäule versammelt waren, als in manchem Gottes-hause. Eberhards Name wurde durch seine Muttergottessäule bekannt, jedochals er einen Traum erzählte, in welchem er von einer hehren Frau ausge-fordert worden, über der Säule eine Kapelle zu errichten, ward er allent-halben verspottet. Vielleicht hätte er, durch das Gerede der Menschen abge-schreckt, trotz dreimaliger himmlischer Mahnung nie den Grundstein zu seinemWerke gelegt, wenn sein Psarrherr ihn nicht ermuntert hätte.

So entwarf er denn aus einem passenden Platze den Plan zu derKapelle, legte den ersten Stein in den selbst gegrabenen Grund und bauteimmer weiter, während er zu gleicher Zeit Almosen zu dem Baue sammelte.Und wunderbar! Geld, Kalk, Ziegel, Alles, was zum Bau nöthig war,wurde immerfort geliefert, ohne daß je bedeutende Vorräthe sich anhäuften.So stand zuletzt eine hübsche Kapelle da und der Zusammenlauf des Volkes,die wunderbaren Gebetserhörungen mehrten sich täglich, so daß die Wändeder Kapelle bald mit Votivtafeln bedeckt waren und zahlreiche Krücken undeiserne Ketten die Heilung der Kranken und die Befreiung aus schmählichemKerker durch Mariens Fürbitte bezeugten.

Bis dahin ging Alles gut, aber bald mischte sich die Gewinnsucht einund in Folge dessen kamen Stürme. Eberhard war Niemanden zur Lastgefallen; als aber der Altar und die Wände der Kapelle von Gold zuglänzen anfingen und der Opferstock sich immer und immer wieder füllte,da fing man an, ihn zu belästigen. Man setzte ihm mit Fragen zu: „werden Grund, wer die Erlaubniß zum Baue und noch dazu zum Baue einesheiligen Hauses gegeben?" Und während der Streit ausgefochten wurde,brachte man die h. Statue nach Piesport; Eberhard aber wurde wie einVerbrecher im Gefängnisse verwahrt. Lange war der Handel vor denRichtern und auf's Genaueste wurde er abgewogen, doch fand man zuletztan Eberhard nichts zu bestrafen, man ließ ihn wieder frei und gab ihm dieStatue zurück. Jetzt fühlte er sich um so dringender gemahnt, aus derKapelle eine Kirche zu schaffen.