Druckschrift 
2: 1887
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on Wachs darzubringen pflegen. Sie sollten, wenn das Anschmieden ineinem Stock auf dem Kirchhofe beim Hals nichts verschlage, „einer härterenLeibes- und Lebensstrafe gewarten". Wurden so die Leute in Altpreußenvom Besuch katholischer Kirchen und namentlich des Wallfahrtsortes Heilige-linde abgeschreckt, so waren andererseits schwere Strafen für diejenigen fest-gesetzt, welche deu lutherischen Gottesdienst nicht regelmäßig besuchten. Dieherzogliche Verordnung vom 1. Februar 1543 bestimmte nämlich schwereGeldstrafen, und, wenn diese nichts fruchteten, „gebührende und harte Leibes-strafen" gegen diejenigen von den Haupt- und Amtleuten, auch Befehlshaber,nicht minder von der Herrschaft, Ritterschaft und Adel, Bürger, Bauer undandere gemeine Einfassen, aus deren Haus nicht der Wirth oder die Wirthinmit sammt Kindern und Hausgesinde alle Sonn- und hohe Festtage in dieKirche gehen und das „Amt mitsammt der Predigt" in der lutherischenKirche abwarten. Wäre den Leuten auch nur ein Funke von religiöser Frei-heit gelassen worden, so würde ein bedeutender Theil der Bevölkerung dendamaligen „Staatspfarrern", welche ohne bischöfliche Sendung von derherzoglichen Regierung Pfarreien annahmen, wohl ebensowenig gefolgt sein,wie das heutzutage unter ähnlichen Verhältnissen nicht zugetroffen ist.

Trotz der schweren Strafen, womit einerseits die Verkündigung deskatholischen Glaubens, das Opfern und Wallsahren belegt, andererseits dasVolk zum Besuch der protestantischen Kirche angehalten wurde, bestanden dieWallfahrten nach Heiligelinde fort. Den damaligen Zustand des Wallfahrs-ortes schildert uns am ausführlichsten der gleichzeitige protestantische Geschicht-schreiber Luk. David, geb. 1503, seit 1550 Hosrath bei Herzog Albrecht,gest. 1583. Derselbe erzählte: „Es wollte nichts helfen, daß die Kirchezur Linde sammt dem Bilde verderbet und hinweg gebracht waren, indemnicht allein aus diesen, sondern auch aus benachbarten Landen sich immerLeute fanden, die Lichte und andere Opfer oder Gaben aus die verwüsteteStelle, wo die Kirche und Linde gestanden, brachten und auch daließen.Da kein Gebot, Verbot, noch auch Bewachen des Ortes helfen wollte unddie armen verführten Menschen selbst mit großer Gefahr ihre Gaben dahinbrachten, obwohl sie von des Herrn Heidecks Dienern oftmals geschrecketund verjagt wurden, so ließ er einen Galgen an dem Orte bauen, wo dieLinde gestanden, um die Leute zu verscheuchen und bange zu machen. Daaber das nicht genug sein wollte, ließ er einen, der sonst sein Leben mitUebelthaten verwirket, an demselben Galgen heimlich henken und das Geschreiausgehen, daß es einer gewesen, der wegen des Opferns da ergriffen wordenwider das öffentlich ausgeschriebene Gebot. Da begann der Teufel wohlhart in den Päpstischen zu brummen, konnte aber Gottlob nichts dawiderschaffen. Ich habe selber gehört, zur Zeit da ich als Kanzler in etzlichenSachen an Herrn Johann v. Höfsen (Dantikus), Bischof von Ermland,gesandt war, daß er dieser Geschichte gedachte mit dem Hinzufügen, er glaube