Druckschrift 
2: 1887
Seite
147
Einzelbild herunterladen
 

- 147 —

Das heilig^ Blut zu Rullh.

n der Nähe von Osnabrück liegt der etwa 1200 Seelen zählendeOrt Nulle, ehemals berühmt durch das dort befindliche Cister-zienscrinnenkloster. Berühmt aber war und ist auch die dortige Wallfahrtzum heiligen Blute, über welche wir nachstehend berichten wollen.

Im Anfange des 13. Jahrhunderts wurde in Haste, damals Harstegenannt, ein Frauenkloster von der Regel des Cisterzienser-Ordens gegründet.Nur kurze Zeit bestand es daselbst, dann wurde es nach Nulle verlegt.Ueber diese Verlegung sind uns nachstehende Sagen ausbewahrt worden.

Das Kloster in Haste wurde durch eine Feuersbrunst zerstört und alsman es wieder aufbauen wollte und das Banmaterial angefahren hatte, wardieses am folgenden Morgen verschwunden und wurde in Nulle da, wospäter das Kloster stand, wieder gefunden. Man brachte dasselbe nach Hastezurück, jedoch am nächsten Morgen wiederholte sich die Erscheinung und daman dieses als ein von Gott gegebenes Zeichen ansah, so wurde der Bauin Nulle begonnen. Aber nun entstand ein neues Hinderniß, denn Hirten,welche an dieser Stelle ihre Heerden zu weiden pflegten, widersetzten sich derWeiterführung des Baues. Da sah einer von ihnen, ein Schafhirt, welchertaubstumm war, eines Tages an diesem Orte einen Stab in der Erde stecken,an welchem mit goldenen Buchstaben das Wort „Marienbrunn" geschriebenstand. Als er nun den Stab aus der Erde zog, entsprang dort eine Quelleund der Hirte erhielt augenblicklich Gehör und Sprache wieder. Durch diesesWunder veranlaßt, wurde nun der Bau nicht weiter gestört und so entstandzu Nulle im Jahre 1247 das neue Kloster, nachdem das alte fünfzehn Jahrein Haste gestanden hatte.

Eine zweite Sage berichtet wie folgt: Das Kloster in Haste standunter dem Schutze des Herrn von Haste, welcher dasselbe auch gegründethaben soll und in der Nähe sein Schloß hatte. Weil derselbe in einenKrieg verwickelt worden und glaubte, die Nounen könnten durch denselbenin Gefahr kommen, so gab er ihnen den Rath, ihr Kloster weiter aus deuHasterberg zu verlegen und bot ihnen dazu seine thätige Mithülfe an. DieNonnen gingen auf seinen Vorschlag ein; man suchte einen geeigneten Platzaus und fuhr das Baumaterial an. Des folgenden Morgens aber wardasselbe verschwunden; in Nulle an der Stelle, wo später das Kloster stand,fand man es wieder. In der weiteren Erzählung stimmt die Sage mit derersteren völlig überein.

Besonders berühmt aber wurde das Kloster und die Kirche zu Nulledurch ein wunderbares Ereigniß, das sich im Jahre 1347 zutrug. Es wirdin folgender Weise berichtet:

10"